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2.6.   Verwandte Themen

2.6.1.      Vermouths

Wermutwein oder Vermouth ist ein roter oder weißer Wein, der mit Wermut und anderen Kräutern aromatisiert und mit Alkohol gespritet wird. Dieser Wermutwein lässt sich hervorragend in der Küche verwenden, da hier das Wermutaroma durch den Alkohol und die restlichen Kräuter sehr verfeinert ist. Wermuthhaltige Käuterliköre und -weine müssen zu mindestens 75 % aus Wein hergestellt werden, dem Kräuter, Alkohol und Zucker zugesetzt werden darf. Der im Wermut enthaltene Bitterstoff Absinthin ist Geschmacksbildner des Wermutweins, der sich besonders im 19. und 20. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreute, nicht zuletzt wie der Absinth ebenso in künstlerischen Kreisen. Im Gegensatz zum Absinth enthält ein Vermouth aber kein Thujon, da dieses Terpen nur in sehr hochprozentigem Alkohol löslich ist. In der italienischen Region Val d’Aoste wird zur Herstellung von Vermouths vor allem die Artemisia Genepi verwendet. Diese Artemisiaart besitzt überhaupt kein Thujon, und der Vermouth aus dieser Gegend nennt sich Génèpi.

 

Der erste Vermouth wurde im späten 18. Jahrhundert in Italien hergestellt; er bestand aus Weißweinen gemischt mit Kräutern – daraus wurde dann ein gesüßter aromatisierter Wein. Ein echter italienischer Vermouth wird übrigens aus der Muscato-d’Ásti-Traube hergestellt, was in Italien seit 1933 gesetzlich geregelt ist. Im frühen 19. Jahrhundert wurde eine trockenere Wermutvariante in Frankreich produziert und seitdem gilt die süßere Variante als italienischer Vermouth und die trockenere als französischer Vermouth, obwohl beide Länder auch beide Vermoutharten produzieren.

Der beste trockene Vermouth wird produziert, indem man Mistelle [1] gereiftem Weißwein hinzufügt. Diese Mischung wird dann mit Kräutern, Wurzeln, Blüten, Gewürzen, Fruchtschalen und vielen anderen Zutaten versetzt. Jede Firma hütet ihr Rezept wie einen Schatz. Dieser „Wein“ wird dann mit richtigem Wein verschnitten und nochmals Brandy hinzugefügt. Die Mischung wird in Fässern gelagert und gekühlt, bis die Teersäure kristallisiert. Der Vermouth wird dann abgegossen und in Flaschen abgefüllt.
Süßer Vermouth wird auch aus süßem Weißwein hergestellt dem zusätzlich Süßstoffe, Chinin sowie Karamell als Farbstoff beigemischt werden.

Einer der bekanntesten Vermouths ist Martini, den es als Martini Bianco (weiss), Martini Rosso (rot), Martini Extra Dry (trocken) und mittlerweile auch als Martini D’Oro (golden) gibt. Außer Martini sind vor allem Cinzano, Carpano, Gancia, Mirafiore, Picon und Riccadonna als bekannte Vermouths zu nennen.

Martini

Die Geschichte von Martini Vermouth begann im Turin des Jahres 1847, in den Weinbergen Piemonts und am Fuße der Alpen, einem an wilden aromatischen Kräutern reichen Gebiet.
Vier Geschäftsmänner mit Namen Michael, Re, Agnelli und Baudino gründeten eine Gesellschaft zur Produktion von Weinen und Likören und waren unter anderem mit der Erzeugung aromatisierter Weine aus Trauben und Kräutern der Gegend sowie seltenen Gewürzen, die im nahen Genua aus allen Teilen der Welt angeschifft wurden, sehr erfolgreich. Dieser aromatisierte Wein sollte einst zur weltweit bekanntesten Vermouth-Marke aufsteigen.

1863 wird das Unternehmen umstrukturiert, und drei neue talentierte Mitarbeiter erhalten die Chance, in die Firmenleitung aufzurücken. Dies sind der Handelsvertreter Alessandro Martini, der Buchhalter Teofilo Sola, und Luigi Rossi, ein begnadeter Kräuterkenner und Kellermeister. Als Folge der veränderten Eigentumsverhältnisse wird das Unternehmen im selben Jahr in „Martini, Sola e Cia“ umbenannt.

Es sind vor allem jene zwei Hauptakteure, Martini und Rossi, die sich für den immer größer werdenden Erfolg des Unternehmens verantwortlich zeigen. Luigi Rossi bringt seine besonderen Kenntnisse als Gewürzspezialist und Kellermeister in die Herstellung ein, und entwickelt in dieser Zeit nach langen Experimenten jene Zusammensetzung von Weinen, Gewürzen und Alkohol, die bis heute gut gehütetes Familiengeheimnis ist. Alessandro Martini bereist währenddessen ganz Italien und macht das neue Produkt im ganzen Land bekannt. Bald schon genießt die Marke auch weit über die Grenzen Italiens hinweg immer größere Bekanntheit. 1879, nach dem Tod von Teofila Sola, wird die Firma schließlich in „Martini & Rossi“ umbenannt – sie sollte bis 1993 unter diesem Namen Bestand haben.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beginnt schließlich Martinis unaufhaltsamer Aufstieg zur Weltmarke. Neben zahlreichen Auszeichnungen auf internationalen Handelsmessen und Ausstellungen – die erste davon erhielt Martini bereits 1865 in Dublin, erteilte 1868 König Vittorio Emanuele II Martini & Rossi die Erlaubnis, das Wappen des Hauses von Savoyen im Etikett zu führen. Außerdem erhielt Martini die erste offizielle Lizenz zur Erzeugung von Vermouth in Italien, die sog. „Licenza No. 1“, die auch heute noch auf der Flasche zu lesen ist. Martini & Rossi entwickelte sich so zu einem großen Exportunternehmen mit Hauptsitz in Pessione und ausländischen Niederlassungen in fernen Orten wie Buenos Aires (1884), Barcelona (1893) und Genf (1886).

 

Die gute Basis, die Alessandro Martini und Luigi Rossi legten, wurde über die folgenden Jahrzehnte hinweg von ihren Nachkommen hervorragend genutzt, um Martini zu einer der bekanntesten Marken überhaupt werden zu lassen. Es entstand ein weltumspannendes Netz von Tochterunternehmen, jedes mit eigenem Kapital, Charakter und Gebräuchen. Dies befähigte sie, lokales Know-How zum bestmöglichen Nutzen einzusetzen.

Zu dieser Zeit wird Martini nicht nur zu einer der berühmtesten, sondern auch eine der glamourösesten Marken der Welt. Mit geschicktem Marketing hatte Martini sich gekonnt positioniert und eine Imagewelt geschaffen, die jeder begehrte. Bereits in den 20ern gab es für Marlene Dietrich keine Cocktailparty ohne Martini, was später auch für Grace Kelly galt. Auch der amerikanische Präsident Theodor Roosevelt rührte Martini Cocktails angeblich genauso geschickt, wie er die Politik lenkte. Seit den 60ern trinkt schließlich James Bond Martini Cocktails stets „geschüttelt“ und nicht gerührt.

1993 verbündet sich Martini & Rossi schließlich mit einer weiteren Familiendynastie: Bacardi. Das so entstandene Unternehmen ist ein Zusammenschluss zweier großer Traditionen mit denselben Wertvorstellungen, die bis heute Bestand haben. Dies garantiert Martini auch eine Zukunft voller Glanz und Erfolg. Die Fundamente, auf denen die Firma nunmehr steht, wurden vor über 150 Jahren gelegt. Seit dieser Zeit ist die Geschichte von Martini geprägt von Vision und Leidenschaft und vor allem von der Hingabe an Qualität ohne Kompromisse.


[1] Brandy gemischt mit Traubensaft

 

 

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