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2.4.1.2.
Weitere Artemisias
Neben der Artemisia Absinthium gibt es
noch eine Reihe anderer Artemisias wie Artemisia Vulgaris, Artemisia
Maritima, Artemisia Dracunculus var Sativa, Artemisia Ponticus,
Artemisia Ludoviciana, Artemisia Aschmidtiana, Artemisia Abrotanum,
Artemisia Aborescens, Artemisia Judaica, Artemisia Stelleriana,
Artemisia Vallescia, Artemisia Genepi, und Artemisia Annua. Da die
drei ersten zugleich auch die bekanntesten sind soll hier auf sie
etwas näher eingegangen werden.
2.4.1.2.1.
Artemisia vulgaris
Gemeiner oder Gewöhnlicher Beifuß
Namen: Beipes, Beipoß, Bibot, Biefes,
Bibs, Bifaut, Bifoot, Biwes, Buck, Buckele, Bucklenbeifuß,
Flegenkraut, Frauenkraut, Gainkraut, Gänsekraut, Gürteln,
Himmelskehr, St. Johannisgürtel, St. Johanniskraut, Jungfernkraut,
Männerkraut, Magert, Müggerk, Muggerk, Muggert, Mugwurz, Schoßmalten,
Sonnenwendgürtel, Weiberkraut, Wermet, Wibaut, Wisch, wilder Wermut.
Aberglaube
Der gemeine Beifuß galt als sehr
wirksames Mittel gegen und für die Hexerei und ist daher in vielen
alten magischen Rezepturen als Beimischung zu finden. Der Teufel
selbst soll das Kraut meiden, so dass man ihn mit an die Wände
genagelten Beifußwurzeln vorm Eintritt ins Haus abzuhalten glaubte.
Als Gegenmittel gegen das Nestelknüpfen [1] wurde empfohlen, die
Türschwelle am Haus des Behexten mit dem Blut eines schwarzen Hundes
zu bestreichen, worüber Beifuß aufgehängt werden sollte.
Ein besonderes Mittel ist der in der
Johannisnacht gewonnene Beifuß. Gräbt man in der Nacht zum 24. Juni
die Wurzel des Krautes aus, werden sich dort kleine Stücke Kohle
finden. Diese, man nennt sie auch Thorellensteine oder Narrenkohlen,
werden als Amulett getragen und sollen Fieber und Epilepsie
vertreiben. Es heißt auch, sie bewahrten vor Verbrennungen, Pest und
Blitzschlag. Der am Johannistag gesammelte Beifuß wurde auch zum
Gürtel geflochten um den Leib getragen. Daher rühren volkstümliche
Namen wie Johannisgürtel, Sonnenwendgürtel oder Gürtelkraut.
Besonders bei Frauenleiden soll der Beifuß helfen und die
Schwindsüchtigen stärken. Wer weit zu marschieren hat, legt sich
gegen Ermüdung etwas Beifuß in den Schuh, worauf bereits Plinius im
Vergleich mit dem Namen der Pflanze hinwies: „Etliche meinen, Beifuß
habe darum den Namen, so man´s in Schuhen unter den Füßen trägt und
über Feld wandert, soll es vor Müdigkeit bewahren.“
Merkmale
Die Pflanze gehört zu den
Korbblütlern, genauer zu den Köpfchenblütlern und die Wuchshöhe des
Beifußes beträgt 50 bis 240cm. Auf reich verzweigten Stengeln ohne
Ausläufer sitzen langstielige gefiederte Grundblätter mit einer
Länge von 5-8cm. Besonders die oberen ein- oder zweifach gefiederten
Stengelblätter sind mit 3-8 mm breiten Abständen tief gesägt. Die
Blätter sind lanzettlich [2], halbstengelumfassend, unterseits
weißwollig und filzig, oberseits dunkelgrün. In großen und dichten
Rispen stehen gelbliche bis rotbraune 3-4mm große Blütenkörbchen.
Kennzeichnend sind die breiten, eiförmigen, filzigen äußeren
Hüllblätter. Blüten und Blätter zwischen den Fingern gerieben
riechen herb, aromatisch, aber eben typisch nach Wermut.
Standort und Verbreitung
Der gemeine Beifuß wächst vom
Mittelmeer bis Skandinavien in ganz Europa bevorzugt auf
stickstoffreichen Böden bis in 1600m Höhe. Man findet die blühende
Pflanze als „Unkrautbestände“ auf Schuttplätzen, Gewässerufern,
Ödland, an Weg- und Gebüschrändern, Bahndämmen und Bachufern.
Inhaltsstoffe: Ätherische Öle
mit Cineol und Absinthol; Gerbstoffe und aromatische Bitterstoffe,
Inulin und Schleimstoffe. Die Blätter enthalten die Vitamine A, B1,
B2, C und einige andere Stoffe.
Anwendung und Heilwirkung in der
Kräutermedizin
Die Pflanze wurde früher auch als
Heilpflanze eingesetzt, die medizinische Wirkung des gemeinen Beifuß
ist regulierend und drüsenanregend, fiebersenkend, krampflösend,
fäulniswidrig und antibakteriell, magenstärkend und appetitanregend.
In der Schulmedizin wird der Wermut
dem Beifuss vorgezogen, obwohl der Beifuss durch seine mildere
Wirkung und seinem weniger bitteren Geschmack vorteilhafter
anzuwenden wäre. Bei Magen- und Darmstörungen sowie bei Durchfall
oder Gelbsucht hilft der Aufguss, die Leber- und Gallefunktion wird
angeregt. In der Volksheilkunde gilt der Beifusstee als gutes Mittel
gegen Epilepsie und andere Krämpfe. Es ist bekannt, dass Beifuss die
weiblichen Unterleibsorgane günstig beeinflusst und die Menstruation
reguliert, sowie gegen Störungen der Monatsperiode hilfreich ist, da
er anregend wirkt.
Zur Blütezeit von Anfang Juni bis
September werden die obersten Rispen, kurz nach dem aufblühen der
Blütenknospen geschnitten, zu Sträußchen gebündelt und möglichst
rasch getrocknet, um ein Nachreifen zu vermeiden. Die größeren
Blätter werden nach dem Trocknen von den verholzten Stengeln
gerebelt und mit den Blüten, Blättern und den feinen oberen
Stengelspitzen gemischt und zerkleinert. Aufbewahren sollte man das
getrocknete Gut in dicht schließenden Gläsern, um die Aromastoffe zu
erhalten. Von Juli bis Oktober werden frische Teile der Wurzel und
des Wurzelstocks gesammelt, um daraus Aufgüsse, Essenzen, Extrakte,
Fluidextrakte, Kaltauszüge, Pulver und Tinkturen zuzubereiten.
Kräutermedizinisch gelten diese Verordnungen als krampflindernd und
appetitanregend.
Für einen weinischen Auszug werden
frische blühende Stengel in Weißwein gelegt, die Flasche gut
verschlossen, im warmen Raum 24 Stunden ausgezogen, gefiltert und in
Flaschen kühl aufbewahrt. Für eine wesentlich haltbarere Tinktur
gibt man ebenfalls blühende Stengel in Ansatzweingeist, lässt diesen
2 Tage warm ziehen, filtert und mischt mit Süßwein und füllt alles
in Flaschen ab.
Der gemeine
Beifuß wird auch als Küchengewürz verwendet, in manchen Gegenden ist
er, ähnlich wie Estragon (Artemisia dracunculus var sativa)
obligatorisch für den Gänsebraten.
[1] Beim Nestelknüpfen, auch
Knotenzauber genannt, wird eine bestimmte Anzahl von Knoten in
Schnüre geknüpft und mit Zaubersprüchen belegt. Dieser Zauber soll
Bindungen bestärken oder lösen können.
[2] lanzenähnlich
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