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4.
Von der Kunst des Absinthtrinkens
4.1.
Absinthrituale
Absinth-Rezepturen gibt es in den
unterschiedlichsten Arten, und sowie auch jedes Land eine oder
mehrere verschiedene Rezepturen, Herstellungsarten und gesetzliche
Bestimmungen die Thujonwerte betreffend hat, so gibt es auch in
jedem Land ein anderes Ritual um den Absinth genussvoll zu trinken.
Getrunken wird
Absinth entweder in Verbindung mit einem der Absinthrituale oder pur
auf Eis und/oder Wasser, flambiert mit Wasser verlängert, als
Cocktail oder als Longdrink. Über die Jahre, in denen Absinth in
jedem Land seine speziellen Trinkgewohnheiten erzeugte, haben zwei
dieser Trinkrituale überlebt und sind jede für sich zu Klassikern
geworden.
Opalisierung:
Üblicherweise
handelt es sich bei Absinth um ein Produkt von smaragd-grüner Farbe
mit ausgesprochen bitterem Geschmack. Absinth enthielt und enthält
über 50 Volumenprozent Ethanol. Schon aus diesem Grund wird es in
der Regel verdünnt und mit Zuckerbeimengung konsumiert. Bei der
Verdünnung mit Wasser kommt es zu einer opaleszierenden Weißfärbung,
auch Louche-Effekt genannt, die ja auch von anderen Getränken wie
Pernod und Pastis bekannt ist. In Frankreich heißt diese Trübung „le
trouble“ - eine sinnträchtige Bezeichnung, besonders wenn man an die
bewegte Geschichte des Absinths denkt.
Ursache hierfür ist
die fehlende bzw. sehr schlechte Wasserlöslichkeit der enthaltenen
ätherischen Öle, überwiegend von Thujon; diese präzipitieren
[1] bei der Verdünnung aus der alkoholischen
Lösung. Die Aromastoffe (Terpene) sind nur im konzentrierten Alkohol
löslich und kristallisieren bei Wasserzugabe aus und verteilen sich
gleichmäßig in der Flüssigkeit. Dieser Farbwechsel ist sicherlich
ein Grund für nahezu zelebrierte Trinkrituale; der entscheidendere
Grund liegt aber wohl am Hauptinhaltsstoff, den Essenzen des
Wermutkrauts, welche sich, zumindest zum Teil, auch für das
Bitteraroma verantwortlich erweisen.
Absinth hält Einzug in die Französische Sprache
Wenn sich eine
Sache sehr großer Beliebtheit erfreut, so entwickelt sich in der
Szene schnell ein bestimmter Slang und einige Wörter halten sogar in
den alltäglichen Sprachgebrauch Einzug. So sagte man in Frankreich
wenn man einen Absinth trinken geht „faire son absinthe“ (den
Absinth machen), „battre l’absinthe“ (den Absinth schlagen), „étonner
l’absinthe“ (den Absinth in Staunen versetzen), „faire l’absinthe à
la hussard“ (den Absinth nach Husarenart zubereiten, also auf die
russische Trinkweise). Je nach dem wie viel Wasser man in den
Absinth goss, hieß es „faire une purée“ (Absinth und Wasser zu
gleichen Teilen) oder „faire une purée bien tassée“ (Absinth mit
wenig Wasser). Wenn der Absinth ins Wasser oder über Eis gegossen
wurde hieß es „frapper son absinthe“ (den Absinth erschrecken) oder
„tremper son absinthe“ (den Absinth erzittern lassen). Und auch ein
neues Verb bürgerte sich in die Französische Sprache ein:
s’absinther (Absinth trinken).
Französisches Trinkritual
2 cl Absinth in das
Absinthglas geben und den Absinthlöffel über das Glas legen. Auf den
Löffel ein bis zwei Stücke Würfelzucker legen und den Zucker langsam
(1 Tropfen pro Sekunde) mit kaltem Wasser übergießen bis der Zucker
sich vollständig aufgelöst hat und mit dem Wasser ins Glas getropft
ist. Dann den Absinth mit soviel Wasser verdünnen, bis der
gewünschte Geschmack erreicht ist und gut umrühren. Je nach
Anisgehalt des verwendeten Absinths verfärbt sich dieser milchig
trüb oder nicht.
In Frankreich war
es auch beliebt besonders in den hochprozentigen Absinth eine
sirupartige Zuckerlösung mit Gummiarabikum hineinzugieße,n um in auf
diese Weise zu versüßen. Das fertige Getränk nannte sich dann
„Absinthe gommée“ oder „Suisesse“.
Traditionelles böhmisches Trinkritual
2cl Absinth in ein
Absinthglas geben, einen Teelöffel Zucker in den Absinth tauchen
oder ihn mit Absinth übergießen, sodass der Zucker den Alkohol
aufsaugt. Den Zucker anzünden damit er karamellisiert. Es ist darauf
zu achten, dass der Absinth im Glas nicht zu brennen anfängt, da
dünnwandige Gläser sich sehr schnell erhitzen und sogar zerbrechen
können. Erst wenn die Flamme ganz erloschen ist, gibt man den
flüssigen Zucker in den Absinth und verrührt ihn gut. Abschließend
verdünnt man den Absinth mit eiskaltem Wasser im ungefähren
Verhältnis 1:1. Mittels Wasser und Zucker, die individuell zugegeben
werde oder auch weggelassen werden können, kann man sich seine
eigene Geschmacksnote mischen. Dieses Ritual funktioniert auch mit
einem Absinthlöffel oder einer Gabel, die Gefahr dass der Absinth im
Glas zu brennen anfängt ist jedoch größer. Man muss daher den
Absinth sofort mit eiskaltem Wasser löschen, damit sich der Alkohol
im Glas nicht noch einmal entzündet.
Russisches Trinkritual
Ein Glas mit gezuckertem Wasser
füllen, anschließend den Absinth darüber gießen, welcher zunächst
als Schicht auf dem Wasser schwimmt. Dann mit einem Löffel umrühren
und beobachten wie sich die beiden Flüssigkeiten vermengen, bis der
Absinth seine typische milchig-grüne Trübung zeigt. Dieses Ritual
ist nicht nur etwas fürs Auge, es spricht auch die Nase an, da sich
der Anisduft, soweit im Absinth enthalten, bei dieser
Zubereitungsart besonders gut entfaltete.
Amerikanisches Trinkritual
Für den in New Orleans damals üblichen
Absinthe frappée gießt man den Absinth über ein paar Eiswürfel. Dann
legt man einen Absinthlöffel mit Zucker über das Glas und gießt
langsam Wasser über den Zucker, bis dieser sich ganz aufgelöst hat
und in den Absinth getropft ist. Anschließend mit dem Löffel
umrühren.
Weitere Absinthrituale
Neben den üblichen Trinkritualen gab
und gibt es aber auch noch zwei andere sehr beeindruckende Arten den
Vorgang der Opalisierung zu zelebrieren, nämlich Reservoir und
Brouille.
Reservoir
Reservoir-Gläser gibt es in
verschiedenen Größen und Formen, sind jedoch meist ca. 15 cm hoch
und breiter als normale Schnapsgläser. Die Größe des Reservoirs in
das der Absinth gegeben wurde ist unterschiedlich. Diese Gläser, die
übrigens mundgeblasen sind wurden ausschließlich für Absinth
verwendet.
In die untere Abteilung des Glases,
dem Reservoir, gibt man vorzugsweise 3cl Absinth. Ein Stück
Würfelzucker wird ins Glas gelegt, wobei hierbei auf die Größe des
Stückes zu achten ist da der Zucker oberhalb des Absinth-Reservoirs
in der Verengung liegen bleiben sollte. Anschließend gibt man Wasser
hinzu und aufgrund der besonderen Form des Glases kommt es nicht nur
zu einer gleichmäßigen Trübung sondern auch zu einer optisch sehr
schönen Verwirbelung der beiden Flüssigkeiten.
Brouille
Brouille (brouiller: frz. mischen) ist
ein Glasaufsatz, der anstelle des Absinthlöffels für das klassische
Absinthritual verwendet wurde. Dieses Brouille, ebenfalls
mundgeblasen, hat in der Mitte des Bodens ein kleines Loch.
Für das
Ritual braucht man noch ein zusätzliches Absinthglas in welches man
die gewünschte Menge Absinth gibt. Danach wird die Brouille auf das
Glas gestülpt und ein Stück Würfelzucker hineingegeben. Anschließend
wird Eiswasser in die Brouille gegeben, welches den Zucker auflöst
und langsam durch das Loch in den Absinth rinnt.
Heute
übliches Absinthritual:
Da heute
hergestellter Absinth schon einen ziemlich hohen Zuckergehalt
besitzt muss dieser nicht mehr unbedingt nachgezuckert werden.
Jedoch sollte man ihn mit Wasser verdünnen, je nach Geschmack und
Verträglichkeit im Verhältnis 1:2 bis 1:5. Ein heute weit
verbreitetes Trinkritual hierzu ist das Ritual der zwei Gläser. Man
stellt ein kleineres Glas mit Absinth, am besten ein Schnapsglas in
ein größeres leeres Glas. Dann gießt man Wasser in das kleinere Glas
bis das milchig-grüne Gemisch überläuft und in das größere
hineinfließt. Man gießt so lange weiter bis das kleinere Glas nur
noch Wasser enthält.
[1] ausfällen
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