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Vincent van Gogh und Absinth
Van Gogh führte nicht nur eine neue
künstlerische Epoche heran, er sorgte neben anderen auch dafür, dass
Absinth eine steigende Popularität erlangte. Van Goghs Bilder die er
in Paris und in seiner Absinth-Zeit malte, werden auch als seine
„Gelbe Phase“ charakterisiert und seiner Absinth-Abhängigkeit
zugeschrieben.
Der Absinthismus des Malers Vincent
van Gogh war Thema einiger kritischer Betrachtungen, die aber
allesamt zu dem Schluss kamen, dass die Legender der durch den
Absinth verursachten „Gelben Periode“ eben nur eine Legende sei, da
die Bilder mit Dominanz gelber Farben zu zahlreich, episodisch und
an verschiedenen Orten entstanden sind. Das Krankheitsbild der
Xanthopsie [1] wurde bei Gelbsucht, Digitalis-Überdosierung,
Vergiftungen mit Phenatezin, Santonin, welches auch im Absinth
enthalten ist, und Chromsäure aber auch nach Applikation von
Schlangengiften beschrieben. Kunsthistoriker konnten jedoch keinen
Zusammenhang zwischen bekannten auslösenden Faktoren und den
Lebensumständen von van Gogh eruieren. Sie halten zwar
Halluzinationen durch Absinth-Abusus im Einzelfall für möglich,
schließen aber einen Zusammenhang mit der sogenannten „Gelben Phase“
aus. Andere kommen zum Schluss, van Gogh habe unter einer
manisch-depressiven Geisteskrankheit gelitten, die durch
Mangelernährung, Drogenmissbrauch, darunter auch Absinthismus, zu
Verwirrtheitsphasen geführt habe.
Ein Symptom der
Xanthopsie, nämlich Übererregbarkeit einschliesslich
Libidosteigerung, würde aber möglicherweise das bekannteste Detail
von van Goghs Biographie erklären: die Selbstverstümmelung seines
linken Ohrs, das er nach erfolgter Amputation im „Maison de
tolérance“ von Arles einer entsetzten Prostituierten präsentierte.
Van Gogh litt die meiste Zeit seines
Lebens an einer erblichen Geisteskrankheit, seine Selbstverstümmlung
wird jedoch immer dem Absinth zugeschrieben. In Wahrheit ist weder
das Ausmaß seines Absinthkonsums noch dessen Einfluss auf sein Werk
und sein Verhalten bekannt. Die meisten Gelehrten sind sich darüber
einig, dass Van Gogh von einem ganzen Katalog von Substanzen
abhängig war, zu denen sogar Lösungsmittel gehörte. Vielleicht war
er auch Opfer einer Vergiftung durch Digitalis, einem zu jener Zeit
weit verbreiteten Mittel gegen Epilepsie. Dies könnte auch der Grund
für die Lichtkränze in Van Goghs Darstellungen von Lichtquellen [2]
sein. Die Psychose, die er erwiesenermaßen durchlitt, ist wohl eher
auf akuten Alkoholismus, denn auf Absinth-Missbrauch zurückzuführen,
eine genaue Diagnose seines Zustands ist jedoch nicht verfügbar.
Aber auch die Abhängigkeit von Lösemitteln wie Terpentin ist bei
Malern nicht so ungewöhnlich und bei van Gogh deutet vieles darauf
hin, dass er an einer Terpensucht litt.
Im Laborexperiment an Leberzellen von
Hühnern konnte gezeigt werden, dass die Gabe von Thujon zwar zu
geringerer Akkumulation von Porphyrin, als bei anderen Terpenen wie
Kampfer beobachtet, führte, es jedoch zu einer Ansammlung von Kopro-
und Protopophyrinen kam. Eine ganze Reihe von Drogen, beispielsweise
Phenobarbital, Hydantoin, Carbamazepin oder Glutethimid zeigen
ähnliche Phänomene. Wenn man es als richtig unterstellt, dass van
Gogh an einer intermittierenden Porphyrie gelitten hat könnten diese
Befunde eine Erklärung liefern. Thujon und andere im Absinth
enthaltene Terpene können gemeinsamen mit dem hohen Alkoholgehalt
Cytochrom P450 und das Enzym ALA-Synthease aktivieren und letztlich
einen Porphyrie-Anfall auslösen. Besonders gefährlich wäre dieser
Effekt für Menschen mit angeborenen Enzymdefekten im blutbildenden
System der Leber.
[1] krankhaftes Gelb-Sehen
[2] Digitalis kann Licht-Überempfindlichkeit verursachen
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