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5.2.10.
Vincent van Gogh (1853 –
1890)
Vincent van Gogh wurde am 30. März
1853 in Groot Zundert, in den Niederlanden, geboren. Seine Geburt
fiel genau auf den Tag, an dem seine Mutter im Vorjahr eine
Totgeburt gehabt hatte - einen Jungen, den sie auch Vincent genannt
hatten. Es gibt viele Mutmaßungen darüber, inwiefern Van Goghs
spätere psychische Schwierigkeiten damit zusammenhängen, dass er ein
„Ersatzkind" war und einen toten Bruder mit gleichem Namen und
gleichem Geburtsdatum hatte. Diese Theorie bleibt unbegründet, und
es gibt keine historischen Beweise, die dafür sprechen.
1869 trat Van Gogh in die
Kunsthandelsfirma Goupil & Cie. in Den Haag ein; seine Familie hatte
schon seit langen Beziehungen mit Kunstkreisen - seine beiden Onkel,
Cornelis und Vincent waren Kunsthändler. Sein jüngerer Bruder, Theo,
arbeitete zeit seines Lebens als Kunsthändler und übte einen
entscheidenden Einfluss auf Vincents Künstlerkarriere aus. Van Gogh
verließ Gopil Ende März 1876 und beschloss, nach England
zurückzukehren, wo er zwei durchaus glückliche und befriedigende
Jahre verbracht hatte. Er begann zu unterrichten und widmete sich
ausgiebig dem Bibelstudium da er sein Leben der Kirche widmen
wollte. Obwohl Vincent sich sehr auf seine Aufgabe als Geistlicher
freute, waren seine Predigten langweilig und blass. Wie sein Vater
hatte er zwar eine Leidenschaft fürs Predigen, aber es fehlte ihm
die Begabung, seine Ergriffenheit und seine Begeisterung den
Zuhörern zu vermitteln.
Im Mai 1877 zog Vincent van Gogh nach
Amsterdam um an der dortigen Universität Theologie, Griechisch,
Latein und Mathematik zu studieren, brach das Studium aber nach
einigen Misserfolgen 15 Monate später wieder ab. Im Januar 1879 nahm
Van Gogh seine Arbeit auf und predigte den Kohlearbeitern und ihren
Familien im Kohlenminendorf Wasmes, Belgien. Er verspürte eine
äußerst starke Zuneigung für die Minenarbeiter, weswegen er von
seinem Posten entlassen wurde da die kirchlichen Behörden dies nicht
billigten. Nach seiner Entlassung ließ er sich im nächstgelegenen
Dorf Cuesmes nieder und lebte dort in äußerster Armut. Er begann die
Minenarbeiter und ihre Familien abzuzeichnen, um ihre rauen
Lebensbedingungen aufzuzeigen. Und in diesem entscheidenden
Zeitpunkt entschloss er sich für seine nächste und endgültige
Karriere als Künstler.
Im Herbst 1880 zieht van Gogh nach
Brüssel wo er sich, nachdem er an der École des Beaux-Arts,
künstlerischen Fertigkeiten selbst aus Kunstbüchern beibrachte. Ende
Februar 1882 lernte er die Prostituierte Clasina Maria Hoornik
kennen, zog mit ihr zusammen und malte von ihr und ihren Kindern
viele Portraits. 1883 war ein weiteres Jahr der Veränderungen,
sowohl in persönlicher, als auch in künstlerischer Hinsicht. Van
Gogh begann schon 1882 mit Ölfarben zu experimentieren, aber erst
1883 arbeitete er immer häufiger damit. Je besser er mit seinen
Zeichnungen und Gemälden vorankam, desto schlechter wurde seine
Beziehung mit Clasina, bis sie sich schließlich trennten. Danach
verfeinerte er sein Handwerk weiter und fertigt zahlreiche Portraits
von einfachen Leuten an, die er als Studien und Arbeiten zum
Verfeinern seiner Kunst, als Vorbereitung für die Verwirklichung
seiner ehrgeizigen Ziele sah. Im April 1885 entsteht Van Goghs
erstes großes Gemälde „Die Kartoffelesser“, das allgemein als Van
Goghs erstes wirkliches Meisterwerk bezeichnet wird.
Wie er noch oft in seinem Leben
zeigte, zog er die praktische Arbeit den formalen Studien vor. Er
wollte sich aber noch mehr vervollkommnen, neue Ideen aufnehmen und
neuartige Wege versuchen, um zu dem zu werden, was er sich unter
einem Künstler vorgestellt hatte. Also verließ er die Niederlande um
sich in Paris den Impressionisten anzuschließen.
Er zieht zu seinem Bruder Theo in
dessen Wohnung in Montmartre. Theo hatte als Kunsthändler viele
Kontakte und verhalf somit Vincent zu vielen Ausstellungen. In den
folgenden zwei Jahren besuchte Van Gogh einige der ersten
Ausstellungen der Impressionisten (Werke von Degas, Monet, Renoir,
Pisarro, Seurat und Sisley). Er wurde ohne Zweifel durch die
Methoden der Impressionisten beeinflusst, blieb jedoch seinem
eigenen, einzigartigen Stil immer treu. Zwar nahm er während dieser
zwei Jahre einige der impressionistischen Techniken auf, doch ließ
er sich nie durch diese starken Einflüsse von seinem Weg abbringen.
Das ganze Jahr 1886 hindurch zeichnete
Van Gogh gerne in der Umgebung von Paris. Seine Farbskala begann,
sich von den dunkleren, traditionellen Farben seiner holländischen
Heimat zu entfernen und nahm die lebhafteren Farben der
Impressionisten auf. Zu diesem Zeitpunkt fing Van Gogh an sich für
japanische Kunst zu interessieren, was viel zu seinem komplizierten,
gobelinartigen Stil beitrug. Obwohl Van Gogh nur gerade drei Kopien
von japanischen Gemälden herstellte, sollte der japanische Einfluss
auf seine Kunst für den ganzen Rest seines Lebens in einer subtilen
Form sichtbar bleiben.
Das Jahr 1887 in Paris war ein
weiteres Jahr, in dem Van Goghs Entwicklung als Künstler
voranschritt, aber sie forderte auch viel von ihm, sowohl in
emotionaler, wie auch in physischer Hinsicht. Vincents unbeständiger
Charakter belastete die Beziehung mit Theo, zudem Vincent van Gogh
sich immer mehr dem Absinth verschrieben hatte.
Der Winter in Paris bedrückt ihn und
er zieht 1888 nach Arles, wo er recht glücklich wird. Er versucht
Paul Gaugin dazu zu überreden nach Arles zu ziehen um mit ihm dort
ein Künstlerzentrum zu bilden, dieser Wunsch scheitert aber an
finanziellen Mitteln. Gaugin zieht zwar zu van Gogh, aber die
Beziehung zwischen den beiden verschlechtert sich immer mehr wie ach
Vincents geistige Verfassung. Am 23. Dezember verstümmelte Van Gogh,
in einem Anfall geistiger Umnachtung, sein linkes Ohr. Er schnitt
sich das Ohrläppchen ab, wickelte es in ein Taschentuch, brachte es
in ein Bordell und schenkte es einer der anwesenden Frauen. Dann
schwankte er zurück nach Hause, wo er zusammenbrach. Er wurde von
der Polizei aufgefunden und ins Hôtel-Dieu Spital in Arles
eingewiesen. Gauguin fuhr, nachdem er Theo ein Telegramm geschickt
hatte, sofort nach Paris zurück, ohne Vincent im Spital zu besuchen.
Van Gogh und Gauguin sollten sich später von Zeit zu Zeit noch
Briefe schreiben, einander aber nie mehr persönlich begegnen.
Die Woche nach der Selbstverstümmelung
war sowohl psychisch wie auch physisch kritisch für Van Gogh. Er
hatte einen großen Blutverlust erlitten und hatte wiederholt
Anfälle, die ihn handlungsunfähig machten, erholte sich aber ein
Monat später wieder vollständig. Im Februar erlitt er einen neuen
Anfall; in seinem Wahn stellte er sich vor, er werde vergiftet und
wurde zur Beobachtung ins Hôtel-Dieu Spital eingewiesen. Zu dieser
Zeit unterzeichneten einige durch Van Goghs Verhalten aufgebrachte
Bürger von Arles eine Eingabe an die Behörden, in der sie ihre
Befürchtungen auflisteten. Das Schreiben wurde dem Bürgermeister von
Arles überreicht und schließlich dem Polizeipräfekt übergeben, der
den Beschuldigten wieder ins Hôtel-Dieu Spital einweisen ließ. Nach
Diskussionen mit seinem Bruder Theo willigte er schließlich ein,
freiwillig in der Nervenheilanstalt Saint-Paul-de-Mausole in
St-Rémy-de-Provence interniert zu werden. So verließ er Arles am 8.
Mai 1889.
Van Goghs behandelnder Arzt war der
Ansicht, dass der Patient unter einer Art Epilepsie litt- eine
Diagnose, die auch heute noch zu den wahrscheinlichsten
Möglichkeiten zählt. Van Gogh fühlte sich abgestoßen durch die
Schreie der Mitinsassen und durch das schlechte Essen. Er fand es
deprimierend, dass die Patienten, den ganzen Tag untätig herumsaßen
und keinerlei Anregungen erhielten. In den folgenden Wochen blieb
Van Goghs geistiger Gesundheitszustand stabil, und er durfte die
Malerei wieder aufnehmen. Die Verantwortlichen wurden gar ermutigt
durch seine Fortschritte. So malte Van Gogh Mitte Juni sein wohl
berühmtestes Werk „ Sternennacht“.
Mitte Juli erlitt Vincent van Gogh
einen neuen Anfall, während dem er versuchte, seine Farben zu
schlucken. Deshalb wurde er eingesperrt, und die Benutzung seiner
Malerutensilien wurde ihm verwehrt. Obwohl Van Gogh sich ziemlich
rasch erholte, war er entmutigt durch die Tatsache, dass ihm das
einzige, was ihm Freude und Abwechslung brachte, verweigert wurde:
seine Kunst. Sobald er aber wieder malen durfte, verbesserte sich
auch seine geistige Verfassung. Danach ist sein geistiger und
gesundheitlicher Zustand für fast ein Jahr recht stabil und
arbeitete auf eine Ausstellung die Theo organisiert hin.
Am 23. Dezember, ein Jahr nach der
Verstümmelung seines Ohres, erlitt Van Gogh einen erneuten Anfall,
eine „Verwirrung“, wie er es nannte. Der Anfall war recht schlimm
und dauerte ungefähr eine Woche, aber Vincent erholte sich recht
schnell und nahm das Malen wieder auf- diesmal entstanden vor allem
Kopien von Werken anderer Künstler, einerseits wegen des
angeschlagenen Gesundheitszustandes, andererseits wegen des
schlechten Wetters. Leider erlitt er während der ersten Monate 1890
weitere Anfälle. Diese waren häufiger und beeinträchtigten Van Gogh
weitaus mehr als die früheren. Ironischerweise erhielten seine Werke
erstmals einige Zustimmung durch die Kritik, zu einer Zeit, da sich
der Maler in seinem wahrscheinlich schlimmsten Tiefpunkt und in
einem Zustand größter Mutlosigkeit befand. Die Nachrichten darüber
vermochten Van Gogh nur weiter zu deprimieren und erneuerten seine
Hoffnung, die Anstalt verlassen zu können und in den Norden zu
ziehen.
Nach einigen Erkundigungen kam Theo
zum Schluss, dass es für seinen Bruder das Beste wäre, wenn er nach
Paris käme und sich in die Obhut des Dr. Gachet begäbe, eines
Homöopathen, der in der Nähe von Paris, in Auvers-sur-Oise, lebte.
Vincent war mit den Plänen seines Bruders einverstanden zog im Mai
1890 nach Auvers. Trotz der schwierigen Umstände gelang es dem
Künstler, ein Zimmer zu finden in einem Gasthaus, das Arthur Gustave
Ravoux gehörte, und er begann sogleich, die Umgebung von Auvers zu
malen. Es gefiel ihm außerordentlich in Auvers, denn hier fand er
die Freiheit, die man ihm in Saint-Rémy verweigert hatte, und der
neue Aufenthaltsort bot ihm so viele Motive fürs Malen und Zeichnen.
So wie es schien, war Vincent wiederhergestellt, sowohl körperlich,
wie auch geistig. Den ganzen Juni über blieb Van Gogh in guter
Verfassung und war äußerst produktiv; es entstanden einige seiner
bekanntesten Werke. Van Gogh war vertieft in seine Arbeit auf den
Feldern und Ebenen um Auvers, und im Verlauf des Monats Juli
entstanden einige einzigartige Landschaftsbilder. Es schien, dass
Vincents Leben eine produktive - wenn nicht glückliche - so doch
wenigstens stabile Form angenommen hatte.
Obwohl die Einzelheiten in den
verschiedenen aufgezeichneten Berichten sich widersprechen,
erscheint der Ablauf der Ereignisse an jenem 27. Juli klar. An
diesem Sonntagabend brach der Künstler wie gewohnt mit Staffelei und
Malutensilien auf. In einem Feld nahm er einen Revolver hervor und
schoss sich in die Brust. Es gelang ihm noch, sich ins Gasthaus zu
schleppen, wo er auf seinem Bett zusammenbrach und bald vom Wirt
Ravoux gefunden wurde. Der ansässige Landarzt Dr. Mazery und ebenso
Dr. Gachet wurden herbeigerufen. Die beiden Ärzte erachteten es als
sinnlos, die Kugel aus des Sterbenden Brust zu entfernen, und
benachrichtigten nur Vincents Bruder Theo der am nächsten Nachmittag
eintraf. Vincent van Gogh starb am 29. Juli 1890, kurz nach
Mitternacht um 1.30 Uhr. Der Pfarrer der katholischen Kirche in
Auvers verweigerte die Bestattung auf dem Friedhof, weil der
Verstorbene Selbstmord begannen hatte. Schließlich gestattete die
Nachbargemeinde das Begräbnis, und die Beerdigung fand am 30. Juli
statt. Sechs Monate nach seinem Bruder starb Theo van Gogh und wurde
in Utrecht begraben. Seine Frau, Johanna, die sich unermüdlich um
den Nachlass Vincents kümmerte, ließ 1914 Theos Überreste ausgraben
und neben Vincents Grab auf dem Friedhof in Auvers beisetzen.
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