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7.3.
Stationen der
Studienreise
7.3.1.
Val-de-Travers
Beschreibung der Region
Val-de-Travers
– Das Tal der Grünen Fee
Abgeschirmt vom Rest der Welt liegt
das malerische Val-de-Travers im Westen des Schweizer Kantons
Neuchâtel. Die Landschaft ist von kleinen Wäldern, verstreuten
ruhigen Dörfern und mächtigen Felsformationen geprägt. Der
wichtigste Fluss ist die Areuse, welche, da sie mitten durch das Tal
fließt, bei der Namensgebung des Val-de-Travers eine Rolle spielte.
In der Schlucht, in der die Areuse entspringt sind heute noch alte
Wasserkraftwerke zu bestaunen. Das Tal ist reich an Attraktionen,
zum einen weltberühmt für seine Uhrmacherkunst, zum andern aber auch
viele kunsthandwerkliche und landschaftliche Besonderheiten.
Das Val-de-Travers
ist aber vor allem das Tal des Absinths, wurde es doch in Couvet
erfunden, und ist hier sowie im benachbarten Pontarlier ein
wichtiges Kapitel Kulturgeschichte. Die Geschichte der Grünen Fee
beginnt hier in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der
Erbauung der Destillerien von Daniel-Henri Dubied und Henri-Louis
Pernod in Couvet von 1797 bis 1798. Obwohl sich die Produktion von
Absinth bald in vielen anderen Städten wie Môtiers, Travers,
Fleurier und Les verriéres ausbreitete, fanden die Kultivation
(Auspflanzung) und die Trockung in Boveresse statt. In Boveresse
waren bei der Volksabstimmung 1910 von 146 Stimmen 144 gegen ein
Absinthverbot.
Im Val-de-Travers, wurden im 19. und
20. Jahrhundert auf 60ha verfügbarem Agrarboden an die 25 bis 30ha
mit Absinth (grande absinthe: artemisia absinthium, petite absinthe:
artemisia pontiacus), Ysop, Melisse und Pfefferminze bepflanzt. In
diesem Juratal waren die besten klimatischen und
Bodenvoraussetzungen gegeben damit der Wermut gut wachsen konnte und
von bester Qualität war. Der Anbau war Lebensgrundlage vieler
Familien im Val-de-Travers, kurz vor dem Verbot 1910 waren etwa 600
Personen mit dem Anbau von Wermut beschäftigt, 300 davon waren aus
Boveresse.
Nachdem ein Absinthverbot in der
Schweiz 1910 erlassen wurde, ließ man sich in dem abgelegenen
Juratal jedoch nicht einschüchtern und kleine Privatdestillerien
stellten heimlich, aber fleißig weiter Absinth her. So ist es auch
schon vorgekommen, dass Wanderer an einer Bergquelle ein kleines
Fläschchen Absinth fanden. Da es hier für sie deponiert wurde, ist
es üblich einen kleinen Obolus zu hinterlassen. Im Val-de-Travers
selbst findet man auch alle erdenklichen Absinthsouveniers,
vielerlei Anregungen für den eigenen Absinthgenuss und kann mit
etwas Glück bei einem der wöchentlich stattfindenden Märkte sogar
ein Gläschen Absinth verkosten.
Seit dem Frühjahr 2002 werden 10ha von
vier Absinthbauern unter strengen Kontrollen von AOP, AOC oder IGP
wieder mit Wermut kultiviert. Diese Pflanzen werden dann für den
Absinth von der Destillerie Yves Kübler verwendet.
Das Val-de-Travers
ist aber auch ein Wandertal, schon Jean-Jacques Rousseau, Flüchtling
der französischen Revolution und berühmtester Philosoph dieses Tals,
wusste die frische und unverbrauchte Luft zu schätzen. Aber auch
Radwanderwege sind hier zahlreich vertreten.
Das Dorf
Noiraigue ist Ausgangspunkt für viele Wanderungen, so zum Beispiel
der „Weg der 14 Kurven“, ein schmaler Pfad mit 14 engen Kurven zum
1436 Meter hohen Aussichtspunkt „Le Soliat“. Le Soliat ist der
höchste Punkt am Rande des Kessels von Val-de-Travers von dem man an
klaren Tagen bis zum weit entfernten Jet d’Eau, dem Wahrzeichen von
Genf, blicken kann. Eine andere Besonderheit sind die Gorges de
l’Areuse nahe des Neuenburger Sees und die gigantische Felsformation
Creux du Van, ein hufeisenförmiger Steinbogen von gut einem
Kilometer Durchmesser der sich bis zu 100 Meter hoch auftürmt. Das
Val-de-Travers ist außerdem bekannt für seine „Métaries“, alte
Bergbauernhöfe die zu Bergrestaurants erweitert wurden.
Hauptort der Region ist Môtiers mit
850 Einwohnern, der mittelalterliche Dorfkern ist vor allem von
alten Brunnen und renovierten Häuserfassaden geprägt. Das Schloss
von Môtiers, erbaut 1311 bis 1344, beherbergt unter anderem das
Léon-Perrin-Museum sowie ein Hotelrestaurant. Von 1762 bis 1765
lebte im Exil in Môtiers der französische Dichter Jean-Jacques
Rousseau dessen Haus heute als Museum eingerichtet ist.
Môtiers ist Ausgangspunkt zahlreicher
Wanderungen, unter anderem durch die Schlucht der Poëta Raisse in
der die Auverse im Laufe der Jahrtausende bizarre Formen zu Stande
brachte. Heute führt ein zum Teil waghalsig
angelegter, aber sicherer Wanderweg durch die Schlucht.
Der obere Ausgang mündet in ein verlassenes und
stilles Hochtal. Über die Juraweiden führt der Weg auf den Gipfel
des Chasseron mit Blick auf das Hochtal von La Brévine und auf die
Alpen.
In St-Sulpice, nur wenige Kilometer
westlich von Môtiers entfernt, ist die Dampfbahn des Val-de-Travers
zu besichtigen. In Travers gibt es ein Asphaltminen-Museum und ein
Industriemuseum welches sich der Uhrenfabrikation widmet, das
berühmte Uhrendorf ist Ste-Croix.
Absinth im Val-de-Travers
Wie es nicht anders sein kann,
entstehen Museen wo es etwas Geschichtsträchtiges zu bewahren gilt.
Im Val-de-Travers ist man sich schon bewusst, dass hier die
Absinthgeschichte begann.
Neben dem Jean-Jacques Rousseau-Haus
steht das Musée Regional d’Histoire et d’Artisanat, in dem man unter
anderem auch viel über die Geschichte des Absinths und die
Herstellung erfährt. Das Museum ist im Herrenhaus „des Mascaron“
untergebracht und veranschaulicht das tägliche Leben und die
Industrie im Val-de-Travers vom 18. bis zum Beginn des 20.
Jahrhunderts. In den unteren Zimmern sind Wohn und
Arbeitsräume von Einwohnern aus dem Val de Travers ausgestellt, zu
denen der Museumsführer Monsieur Delachaux Anekdoten vom Feinsten
erzählt.
Das Museum ist nicht so einfach zu
finden, da sich der Eingang in einer Durchfahrt zum Innenhof
befindet und nur mit einem „Bitte hier klingeln“-Schild
gekennzeichnet ist. Aber wie der Absinth ist auch das Museum ein
wenig verborgen und muss erst entdeckt werden.
Es enthält eine reiche Sammlung von
berühmten „chinesischen Uhren“ die vor 150 Jahren in Fleurier im
Uhrmacheratelier des Bauern Albert Bernet hergestellt wurden.
Neben der Dokumentation der regionalen Geschichte gibt es
Rekonstruktionen von kunsthandwerklichen Produktionsstätten und –abläufen
wie das Pendel- und Uhrmacherhandwerk, Jurassische Käsefabrikation,
Pâtisserie und Confiserie, Jurassische Küche, Spitzenfabrik und
natürlich die Absinthdestillation. Im Museum wird in 2 Räumen die
Geschichte des Absinths und der Absinthproduktion im Val-de-Travers
erzählt.
Das Geschichts- und
Kunsthandwerksmuseum enthält zudem zahlreiche Ausstellungsstücke die
noch von der alten Destillerie der Firma Pernod standen, deren Sitz
in Couvet-Môtiers war bevor er 1805 nach Pontarlier verlagert wurde.
Die Eintrittspreise betragen für
Erwachsene 7,00 CHF und für Kinder, Schüler und Studenten 2,00 CHF,
der Gruppenpreis ab 10 Personen beträgt 5,00 CHF. Das Museum ist von
Mai bis Mitte Oktober Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag von
14 bis 17 Uhr oder auf Anfrage für Gruppen ab 10 Personen geöffnet.
Führungen dauern eine Stunde, sind nicht kostenpflichtig und werden
in den Sprachen Französisch, Deutsch und Spanisch gehalten.
AOC
Absinthe hat eine klare regionale
Herkunft. Es ist das Bestreben des Val-de-Travers diese Herkunft mit
der geschützten Herkunftsbezeichnung einer AOC zu untermauern, was
aber noch etwas dauern wird. AOC bedeutet Appellation d’Origine
Contrôlée und die AOC-Vorschriften garantieren die Herkunft eines
regionalen Produktes indem bestimmte Anbaugebiete festgelegt werden
und das Produkt vom Anbau des Rohmaterials bis hin zur Herstellung
genau kontrolliert wird. Die Beantragung die Herkunft des Absinths
durch eine AOC oder IGP (Indications géographiques protégées) geht
auf eine Initiative der Association Région Val-de-Travers zurück, da
der Absinth aus dem benachbarten Pontarlier eine enorme Konkurrenz
für die Schweizer Wirtschaft darstellt. Die Association Région
Val-de-Travers ist ein Zusammenschluss der elf Gemeinden des Tals
der zur Stärkung der lokalen Wirtschaft erfolgte.
Für Kultur- aber auch
Landschaftsinteressierte bieten die Regionen Val-de-Travers und
Neuchâtel einige Sehenswürdigkeiten die nach Wunsch in der Freizeit
besichtigt werden können.
Geführte Altstadt-Besichtigung in
Neuchâtel
Entdeckung der Architekturschätze von
Neuchâtel in Begleitung einer fachkundigen Führerin von Neuchâtel
Tourismus. Beste Gelegenheit für jedermann, in die fast
tausendjährige Geschichte dieser Grafenstadt mit ihren zahlreichen
kulturellen Highlights einzutauchen.
Führungen finden nur auf Vorbestellung
statt uns sind daher mit dem Tourismusbüro von Neuchâtel zu
reservieren. Die Dauer beträgt zwei Stunden gegen ein Entgelt von
120,00 CHF pro Führer. Es gibt Führungen in Französisch, Deutsch,
Englisch und Italienisch.
Musée d'Art et
d'Histoire de Neuchâtel
Das Kunsthistorische Museum von
Neuchâtel hat unter seinen Ausstellungsstücken eine reiche
Kollektion der Geschichte und Kunst von den vier Departements des
Schweizer Kantons Neuchâtel. Es ist unterteilt in die Sparten
Plastische Kunst, Neuenburgische Kunst, Schweizer Kunst und
Ausländische Kunst, die vor allem für Absinthliebhaber sehenswert
ist, da hier hauptsächlich Kunstwerke von französische
Impressionisten wie Edgar Degas, Marquet, Pisarro, Bonnard, Sisley
und Auguste Renoir ausgestellt sind. Ein weiterer interessanter
Bereich des Museums ist die Bildende Kunst, wo Schweizer
Kunsthandwerk in Form von Keramiken, Porzellan, Glaserei und vor
allem das neuenburgische Uhrmacherhandwerk behandelt werden. Des
Weiteren gibt es noch die Collection Strubin; eine beachtenswerte
Sammlung von Waffen und Uniformen der französischen Revolution, das
Cabinet de Numismatique mit Münzen und Medaillen aus Neuchâtel,
sowie einer griechischen, römischen und keltischen Sammlung und das
Département historique; ein Archiv der Stadt Neuchâtel bis 1977 und
einer generellen Dokumentation über die Geschichte der Stadt zu
bewundern. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr
geöffnet.
Panorama-Standseilbahn La Coudre /
Chaumont
Es handelt sich hierbei um die einzige
Jura-Panorama-Standseilbahn die, nur fünf Minuten vom Stadtzentrum
von La Coudre entfernt, den Gast nach einer originellen Kurzreise
bei bis zu 46% Steigungen in 13 Minuten ein völlig neues Umfeld
befördert. Am Ziel, nach Besteigen des Aussichtsturms, kann man
einen atemberaubenden Blick auf das Drei-Seen-Land und die Alpen
genießen, in einem der Bergrestaurants einkehren oder einen der
Lehrpfade begehen. Der Preis beträgt 9,20 CHF für Erwachsene und
4,60 CHF für Kinder. Der Gruppenpreis ab 10 Personen beträgt 7,60
CHF pro Person.
Schifffahrten auf dem Lac des
Brenets (Doubs-Wasserfall)
Dieser Ort mit seinen tiefen
Schluchten und spektakulärem Wasserfall ist eine der malerischsten
Sehenswürdigkeiten des Neuchâtel. Eine
14km lange Bootsfahrt auf den Flusswindungen den Doubs bringt die
Teilnehmer zu beeindruckenden Naturschauspielen wie steile Felswände
die von der Straße aus nicht erreicht werden können. Die Bootsfahrt
findet in komfortablen Ausflugsbooten von Les Brenets aus statt und
ist in den Sprachen Französisch, Deutsch und Italienisch
kommentiert.
Der
Wasserfall Saut du Doubs bildet die Grenze zu Frankreich. Ein
Wanderweg von der Schweiz aus endet genau oberhalb des Wasserfalls,
deshalb dürfte von der französischen Seite auch mehr von diesem
Naturschauspiel zu sehen sein. Beim Saut du Doubs gibt es außerdem
zwei Aussichtspunkte.
Der Preis
beträgt 11,50 CHF für Erwachsene und 6,50 für Kinder. Bei Gruppen ab
10 Personen reduzieren sich die Kosten auf 10,00 CHF für Erwachsene
und 6,00 CHF für Kinder. Die Bootsfahrten finden von April bis Ende
Oktober jeden Tag statt und dauern etwa 1 ½ Stunden.
Entdeckungs-Kreuzung Noiraigue
Creux-du-Van
Bei diesem geführten Fußweg wird die
Landschaft interpretiert sowie die Geschichte der Erde, der
Jura-Formation, des Val-de-Travers, der Areuse-Schluchten und des
Naturreservats Creux-du-Van erzählt. Die Teilnehmer erhalten
außerdem Erläuterungen über Fauna, Flora sowie den Wald und seine
Rolle als Beschützer, Behausung und Energiespender. Die Preise
betragen 12,50 CHF für Erwachsene, 7,50 CHF für Kinder bis 16 Jahre,
10,00 CHF für Schüler und Studenten und 35,00 CHF für Familien mit
zwei Erwachsenen und zwei bis drei Kindern. Die Führungen finden von
Anfang April bis Ende Oktober nach Vereinbarung oder jeden Sonntag
um 14 Uhr statt. Treffpunkt ist der Bahnhof von Noiraigue und die
Dauer beträgt ca. zwei Stunden. In Noiraigue gibt es auch einen
Kiosk für Sehenswürdigkeiten und Regionale Spezialitäten bei dem man
sich über diverse touristische Attraktionen aber auch über regionale
Produkte wie Trockenwurst, Absinth, Käse, Molkereiprodukte und
Schokolade informieren kann.
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