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5.3.3.      Paul Marie Verlaine (1844 – 1896)

Der Dichter Paul Marie Verlaine wurde am 30. März 1844 in Metz geboren und an der Lycée Bonaparte in Paris erzogen. Seine frühen Werke wie „Poèmes saturniens“ von 1866 und „Fêtes galantes“ von 1869 sind von der antiromantischen, experimentellen Stilrichtung der Parnassiens geprägt, mit denen Verlaine damals persönlich in Verbindung stand. 1870 heiratete Verlaine, verließ seine junge Frau aber nach zwei Jahren, zu deren Leidwesen er schon früher beim Trinken mit Prostituierten und mit Männern verkehrte. Er zog mit dem 17jährigen Dichter Arthur Rimbaud, welcher auf Verlaines Anraten nach Paris gezogen war, zusammen. Die Symbiose der beiden ist neben der Freundschaft von Goethe und Schiller das wahrscheinlich berühmteste Zusammenwirken zweier Dichterpersönlichkeiten, hier mit einem deutlich antibürgerlichen, bohèmehaften Zug.

Rimbaud und Verlaine unternahmen mehrere Reisen zusammen und Rimbaud wurde bald Verlaines Geliebter, mit dem er immer häufiger in der „Academie d’absomphe“ absinthtrinkend angetroffen wurde. Schuldgefühle wegen dieser Beziehung trieben Verlaine jedoch in immer heftigere Anfälle der Trunkenheit. Die Beziehung endete 1873 mit einem Streit, bei dem Verlaine im absinthtrunkenen Zustand mit einer Pistole auf Rimbaud schoss und ihn verletzte. Er wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Sammlung „Romance sans paroles“ von 1874, die er im Gefängnis schrieb, reflektierte sein Leben mit Rimbaud. Während seiner Haftzeit, wohl auch unter dem Eindruck der vorangegangenen Ereignisse, erfolgte eine Rückbesinnung Verlaines auf den Katholizismus seiner Kindheit. Die folgende Gedichtsammlung „Sagesse“ von 1881 enthält konfessionelle religiöse Dichtung, doch der Absinthkonsum gehörte noch immer so sehr zu seinem täglichen Leben, dass er aus seinen Trinkgewohnheiten eine Grußformel machte. Ein Literat schreibt über seine Begegnung mit Verlaine auf einem belgischen Bahnhof: „Ein Fenster in einem Wagen der dritten Klasse öffnete sich mit großem Geklapper und umrahmte das faunartige Gesicht des alten Dichters. Er rief: ‘Ich trinke ihn mit Zucker!’ Das war offenbar sein üblicher Gruß, wenn er auf Reisen war, eine Art Schlachtruf oder Parole.“ Verlaine sang in seiner Jugend das Hohelied des Absinths wie folgender Eintrag in seinem Tagebuch zeigt „In Paris, wo das Bier fürchterlich schmeckt, stürzte ich mich auf Absinth, Absinth am Tage und in der Nacht“, verdammte ihn aber später ebenso hingebungsvoll auf seinem Totenbett.

Verlaine gab von 1875 bis 1877 Französischunterricht in England und kehrte dann nach Frankreich zurück. Gemeinsam mit seinem Englischschüler Lucien Létinois, den er seinen Adoptivsohn nannte, versuchte sich Verlaine erfolglos als Landwirt. 1883 starb Létinois plötzlich an Typhus. Verlaines restliches Leben stand im Zeichen wechselnder Ausschweifungen und reumütiger Askese. In seinem literaturkritischen Essay „Les Poètes maudits“ und der Lyriksammlung „Jadis et naguère“, beide aus dem Jahre 1884, erwies sich Verlaine als Bannerträger symbolistischer Dichtung. Damit hatte er einen beträchtlichen Einfluss auf die folgende Generation französischer Dichter. Er verfasste gegen Ende seines Lebens autobiographische Bekenntnisprosa, wie „Mes Hôpitaux“ von 1892 und „Mes Prisons“ von 1893. Paul Verlaine verglich einst seinen Ruhm mit Absinth als er sagte „Mein Ruhm ist wie ein bescheidener, vergänglicher Absinth, den ich flüchtig trinke aus Angst, verraten zu werden“.

Die letzten Jahre seines Lebens waren von Einsamkeit und Armut gekennzeichnet, und obwohl er andere Formen des Trinkens verachtete, war er immer noch dem Absinth ergeben, Freunden zufolge hatte er jedoch bis kurz vor seinem Tode immer eine Flasche unter dem Kopfkissen versteckt. Verlaine starb am 8. Januar 1896 in Paris.

 

 

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