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5.2.9.
Pablo Picasso (1881 –
1973)
Pablo Picasso wurde am
25. Oktober 1881 in Málaga als Sohn des Kunstlehrers José
Ruiz Blasco und seiner Ehegattin María Picasso y López, mit deren
Mädchennamen er ab 1898 seine Bilder signierte, geboren. Mit
fünfzehn Jahren besuchte er die Kunstschule „La Lonja“ in Barcelona
und 1897 die Academia San Fernando in Madrid. Sein im selben Jahr
entstandenes Gemälde „Wissenschaft und Nächstenliebe“ wurde mit
einer Goldmedaille ausgezeichnet. Er ließ sich 1904 in Paris nieder,
wo er durch eine Ausstellung von 75 seiner Werke bei dem prominenten
Kunsthändler Ambroise Vollard den Dichter Max Jacob kennenlernte,
mit dem er das Bâteau-Lavoir (Wäschekahn) genannte Atelierhaus an
der Place Emile Goudeau bezog, das zu einem „Tempel des Kubismus“
und Zentrum der zeitgenössischen Boheme wurde. Dort wohnten
zeitweise auch Juan Gris, Georges Braque und Kees van Dongen, und
prominente Gestalten des Pariser kulturellen Lebens, wie Guillaume
Apollinaire, zählten zu den ständigen Gästen. Er fand in den Kreisen
der Bohème ein zeitweiliges Zuhause und freundete sich mit dem
Schriftsteller Alfred Jarry.
Picasso nahm in dieser Schaffensphase
zahlreiche Stilelemente des Spätimpressionismus, Jugendstils und
Symbolismus auf und verdankte neben Paul Gauguin, Eugène Delacroix,
Honoré Daumier und Edgar Degas vor allem dem Werk Henri de
Toulouse-Lautrecs vielfältige Anregungen. Das „Blaue Zimmer“ aus dem
Jahre 1901 macht diesen Einfluss deutlich und demonstriert zugleich
die Entwicklung eines ersten eigenständigen Stiles, der in den
folgenden Jahren sein Werk beherrschte. Die Pariser Zeit hat sich in
vielen von Picassos Bildern als „blaue Periode“ manifestiert, von
der gesagt wird, dass sie vom Absinth inspiriert wurde und in der
einige seiner schönsten Kunstwerke entstanden. In raffinierten Blau-
und Grüntönen, den Farben des Absinths gemalt, bevölkern
hauptsächlich Gestrandete wie Prostituierte, Bettler und
Absinthtrinker seine Bilder. Picasso experimentierte, wie so viele
andere auch, mit Drogen, trank nicht nur gerne Absinth sondern nahm
auch Morphium. Die bekanntesten Werke dieser Zeit sind „Der
Absinthtrinker“ von 1901, „Absinthtrinkende Frau“, von 1902 und „Das
Leben“ von 1903.
Nach der Übersiedlung nach Paris blieb
die schwermütige Stimmung seiner Malerei erhalten, Farbskala und
Thematik wurden jedoch in der „Rosa Periode“ von 1905 bis 1906
wieder reicher. Bevorzugtes Sujet wurde die von Picasso damals
häufig frequentierte Welt des Zirkus mit Gauklern, Harlekinen und
Akrobaten. Die Gestalt des Harlekins empfand Picasso als sein Alter
ego und verwendete dieses Motiv mitunter auch in späteren
Werkphasen.
1906 vollzog sich eine Stilwende in
Picassos Schaffen. Nach dem Vorbild der Gemälde Cézannes und der
schwarzafrikanischen Plastik reduzierte er die Gegenstände radikal
auf geometrische Strukturen. Während seiner Zusammenarbeit mit
Georges Braque schufen beide eine Reihe von Landschaftsbildern, die
später von einem Kunstkritiker als aus „Kuben“ beschrieben wurden.
Daraus leitete sich der Begriff Kubismus ab, der einer ganzen
Kunstepoche den Namen gab. Picasso und Braque erprobten zwischen
1908 und 1911 gemeinsam neue Wege der Analyse und Auflösung der Form
und näherten sich dabei zusehends der Abstraktion.
Am Anfang des ersten Weltkrieges
wandte sich Picasso wieder einer gegenständlichen Darstellungsweise
zu, konnte sich aber dennoch nicht ganz vom synthetischen Kubismus
abwenden, sodass ein Nebeneinander unterschiedlicher Stilrichtungen
entstand.
Parallel zu den Gemälden entstanden zu
jener Zeit auch experimentelle, von Picasso „constructions“ genannte
Plastiken und Skulpturen aus Holz, Metall, Papier und anderen
Materialien. Seine Konstruktion „Das Glas Absinth“ aus dem Jahre
1914, eine Weiterentwicklung des gleichnamigen 1911 gemalten Bildes,
bestehend aus einem silbernen Zuckersieb und einer bemalten
Bronzeskulptur, ist neben den Skulpturen „Baboon and Young“ von1951
und „Stier“ von 1943 eines seiner bekanntesten Werke.
Zu einem zentralen Thema entwickelte
sich der Stierkampf, dem Picasso 1935 eine Folge von Radierungen
widmete. Die „Minotauromachie“ verknüpfte den antiken
Minotauros-Mythos mit modernen Stierkampfszenen, die auch in der
1937 entstandenen Radierungsfolge „Traum und Lüge Francos“ und
seinem Monumentalgemälde „Guernica“ anzutreffen sind. In Guernica
kommentierte Picasso die barbarische Vernichtung der baskischen
Stadt Guernica durch Kampfflugzeuge der Legion Condor am 26. April
1937. Dieses Kontingent der deutschen Luftwaffe unterstützte die
Truppen Francos während des Spanischen Bürgerkrieges von 1936-1939.
Das Gemälde wurde auf der Weltausstellung in Paris 1937 im
spanischen Pavillon ausgestellt. Im Mittelpunkt der Darstellung
steht nicht das Ereignis an sich, sondern eine Folge symbolischer
Bilder, wie ein verendendes Pferd, ein gefallener Soldat, eine
Mutter mit einem toten Kind, eine Frau, die in einem brennenden
Gebäude gefangen ist, eine andere Figur, die in die Szene stürzt,
und dergleichen mehr. Obwohl sich das Werk in seiner
Rätselhaftigkeit und scheinbaren Zusammenhanglosigkeit der einzelnen
Bildgegenstände einer präzisen Interpretation entzieht, ist es
gleichwohl in der Darstellung der Kriegsgräuel von überwältigender
emotionaler Wirkung. Picassos auch gegen den Krieg im Allgemeinen
gerichteter Protest mündete in ein intensives
pazifistisch-politisches Engagement. 1944 wurde er Mitglied der
Kommunistischen Partei Frankreichs und schuf 1949 das weithin
bekannte Symbol der Friedenstaube. Nach dem 2. Weltkrieg
experimentierte Picasso, der nun vorwiegend in Südfrankreich lebte,
vermehrt mit neuen Techniken und Themen. Neben der Lithographie,
wurde die figürliche Keramik zu einem zentralen Betätigungsfeld. Im
Töpferdorf Vallauris schuf er annähernd 2 000 Stücke. Die, während
des Krieges zunehmend düsterer gewordene Farbpalette und die
zeitweise vorherrschende Todesthematik wichen einem heitereren und
gelasseneren Bildern, wie der etwa 70 Blätter umfassende
Radierzyklus „Maler und Modell von 1963/64 zeigt. 1968 entstand eine
Folge von 347 Radierungen, die nochmals die zentralen Themen Zirkus,
Stierkampf und Erotik seines Werkes aufnahmen. Picasso übersiedelte
1961 nach Mougins in Südfrankreich, wo er am 8. Dezember 1973 starb.
Pablo Picasso war der erste Künstler,
der zu Lebzeiten mit einer Werkschau im Louvre von Paris geehrt
wurde, nämlich 1971 anlässlich seines 90. Geburtstages. 1963 wurde
in Barcelona das Museo Picasso eröffnet, 1985 das Musée Picasso in
Paris, das einen Großteil des künstlerischen Nachlasses enthält.
Sein Gesamtwerk umfasst annähern 20.000 Kunstwerke.
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