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3.2.   Mittelalter

Im Mittelalter entwickelte sich die Alchemie als Vorläufer der heutigen Chemie. Die zwei Hauptziele der Alchemisten waren zum einen die Trennung von Wirksamen und Unwirksamen Stoffen und zum anderen die Suche nach dem Stein der Weisen, ein Allheilmittel, das ewige Jugend bewirkt und Stein in Gold verwandeln soll. Als großer Erfolg der Alchemie ist vor allem die Gewinnung des „Spiritus Vibi“ (lat. „Geist des Weins“) durch Destillation zu bezeichnen, wodurch später Destillate aus Pflanzen und dadurch auch Absinth hergestellt werden konnten.

3.2.1.      Getränke

Im England des 16. Jahrhundert wurde „Purl“ gebraut, ein mit Wermut versetztes Bier, das vor allem in den unteren Bevölkerungsschichten sehr berühmt war. Im 17. Jahrhundert soll in England ein „Tansy“ genanntes Getränk aus Rainfarn, welcher ebenfalls thujonhaltig ist, Eiern und Sahne sehr beliebt gewesen sein. Sogar ein aus Strandbeifuß (Artemisia Maritima) hergestelltes Bier soll in England und Irland im 17. bis 18 Jahrhundert weit verbreitet gewesen sein.

3.2.2.      Aberglaube

Wermut soll, um den Hals getragen, den Bösen Blick abwehren und auch vor Behexung schützen. Volksmedizinisch soll er gegen Schlaflosigkeit helfen, den Wermut ins Kopfkissen zu stopfen, der Duft wirkt wohl beruhigend.

Wegen dem aromatischen Duft des Wermutkrauts glaubte man, dass alle unholden Wesen ihn verabscheuten und  legte deswegen ein Wermutbüschel in die Wiege Neugeborener, um diese fernzuhalten. Bauern räucherten ihre Ställe mit Wermutkraut aus, um ihr Vieh vor Verzauberung zu schützen. Im Mittelalter glaubte man sogar, die Pest mit Hilfe der graugrünlichen Pflanze fern halten zu können, indem man sie im Dachgebälk befestigte, unter sein Kopfkissen legte oder um die Wohnhäuser Wermut pflanzte. Später hieß es, dass das Kraut, in den Mund genommen, vor den bösen Machenschaften der Hexen und davor selbst eine zu werden bewahren solle. Insbesondere stehen psychoaktive Pflanzen sehr eng in Zusammenhang mit Hexen, weiteres dazu wurde bereits im Kapitel „Psychoaktive Pflanzen im Alkohol“ behandelt.

3.2.3.      Kräuterbücher und Volksheilkunde

Aber auch die medizinischen Kräfte des Wermuts werden in Kräuterbüchern des Mittelalters vor allem als Heilmittel bei Magen- und Darmkoliken, Epilepsie und als Mittel gegen Appetitlosigkeit beschrieben. In der Volksheilkunde ist er als Gurgelwasser und zu Umschlägen bei Prellungen bekannt und die krampflösende, entspannende Wirkung machte den Wermut für alle Zeiten für medizinische Zwecke interessant. Die Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098 – 1179) beschreibt ihn als den wichtigsten Meister gegen alle Erschöpfungen und die spanischen Jesuiten brachten ihn als Hierba Santa - heiliges Kraut - im 16. Jahrhundert nach Amerika. Die Äbtissin Hildegard von Bingen, die außerdem als Visionärin, Prophetin, Heilige und Künstlerin bekannt ist, benennt die Pflanze Wermuda. Zum ersten Male finden wir den Wermut im „Hortulus“ des Mainauer Mönches Walafridus Strabo im 9. Jh. beschrieben. Leonhart Fuchs (1501 – 1566), einer der bedeutendsten humanistischen Mediziner des 16. Jahrhunderts, berichtet: „Der Wermutwein bekompt treffenlich wol dem magen, dann er stercket seine dewung (Verdauung), macht auch lust zu essen... Ist gut zu den lebersüchtigen und geelsüchtigen, auch den so würm haben.“ Der Kräutergelehrte, Arzt und Botaniker Hieronymus Bock (1498 – 1554) rühmte ihn: „Der Wermut ist ein bewert und berühmt Gewächs, beynahe zu allen Gepresten des inwendigen und des ausserlichen Leib.“

 

 

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