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5.1.2.
Mata Hari (1876 – 1917)
Hinter dem Künstlernamen Mata Hari,
was in der Hindusprache „Auge der Morgenröte“ bedeutet verbirgt sich
Margaretha Mac Leod. Sie wurde am 7. August 1876 in Leeuwarden in
der Provinz Friesland, gelegen im Norden der Niederlande als
Margaretha Gertrude Zelle in ein reiches bürgerliches Elternhaus
geboren, wo sie wohlbehütet mit ihren Geschwistern aufwuchs. Schon
früh verleitete ihre blühende Phantasie sie dazu, sich eine eigene
Biographie zu erfinden und sich einen exotischen Hintergrund zu
geben. Von Ihr selbst erzählte Geschichten über Ihre angebliche
Herkunft vom Indischen Subkontinent und Erziehung durch indische
Priester, sowie die Einweihung in die Kunst Indischer Tempeltänze
erzeugten eine Aura des geheimnisvollen um Sie, das sich noch bis
lange nach Ihrem Tod fortsetzte.
Eine Berührung mit der Indischen
Kultur erfuhr Margaretha durch Ihren zwanzig Jahre älteren Mann John
Rudolf Mac Leod, einem niederländischen Kolonialoffizier welchen sie
nach ihrer Ausbildung zur Lehrerin durch eine Heiratsanzeige am 11.
Juli 1895 geehelicht hatte. Zwischen 1898 und 1900 hält sich das
Paar in Indien und auf Java in den Militärgarnisonen Ambarawa,
Tempoeng und Medan auf. In dieser fremden Welt lernte sie aber Tänze
kennen, die später ihre Arbeit als Tänzerin inspirierten. Nach der
Scheidung aufgrund der Brutalität ihres Mannes 1902 und einer
vorangegangenen Tragödie im Jahr 1899 als Ihr Sohn Norman John unter
Brechkrämpfen wahrscheinlich einer Vergiftung erlag, ließ sie ihre
Tochter bei ihrem Vater und beginnt schließlich 1904 ihre
tänzerischer Karriere in Paris, wo sie sich 1905 auch niederließ.
Sie beginnt unter dem Namen Lady
McLeod als professionelle Tänzerin zu arbeiten und gibt sich nach
den ersten Erfolgen den Künstlernamen „Mata Hari“ – ein malaysischer
Ausdruck für die Sonne der wörtlich übersetzt „Auge des Tages“
bedeutet. Mata Hari hatte zwar nie eine Ausbildung im Tanz ob
Tempeltanz oder orientalischem Bauchtanz erfahren, war aber einfach
ein Naturtalent und imitierte und interpretierte wohl auf Java
gesehene Tänze. Mit ihren asiatischen Tänzen und ihrer Bereitschaft,
sich nackt in der Öffentlichkeit zu präsentieren, hat sie bald
großen Erfolg in Paris und in anderen europäischen Städten. Ihr Name
wird zum Inbegriff der verführerischen Frau, ihre Bekanntheit und
ihr Ruhm steigen ständig und es folgen Auftritte in ganz Europa.
Durch ihre Tätigkeit wird sie mit vielen einflussreichen
Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft bekannt. Nach der
Trennung von ihrem Mann hat Mata Hari viele kurze Beziehungen,
zumeist mit hohen Offizieren oder anderen Militärs. Überhaupt
scheinen Uniformen einen starken Reiz auf sie ausgeübt zu haben Ihre
Verhältnisse unterhielt sie meist mit Männern, von denen sie sich
aushalten und Ihre teuren Hotelrechnungen bezahlen lies.
Aber Mata Hari war nicht nur eine der
berühmtesten Tänzerinnen des beginnenden 20. Jahrhunderts, auch sie
entwickelte einen ausgeprägten Hang zum Absinth. Allein die Aura des
Fremden, der besonderen Atmosphäre und der Düfte verzauberte Ihr
Publikum, welches erregt ihren Tanz verfolgte, bis sie zum Finale
ihre letzten Hüllen fallen lies um nackt und mit anmutigen Gesten
alle zu verzaubern. Dies war in Paris um 1900 eine echte Sensation
und natürlich gab es im laufe der Zeit zahllose Nachahmerinnen mit
dem gleichen Erfolgsrezept. „Colette“ stellt im Moulin Rouge tanzend
den „ägyptischen Traum“ dar, wie Mata Hari ebenfalls mit metallenen
Armreifen und Büstenhalter gekleidet und sich während des Tanzes
entkleidend. In Berlin treten die Marokkanische Tänzerin „Sulamith
Raha“ ebenfalls im Evaskostüm mit Schwerttänzen, Schleiertanz und
Bauchtanz sowie die Amerikanerin „Maud Allen“ mit der „Vision der
Salome“ auf.
Nach 1910 gerät Mata Hari immer mehr
in eine Art Halbwelt und die Prostitution spielt eine immer größere
Rolle in Ihrem Leben. Sie versucht wieder Fuß zu fassen als die
große Tänzerin die sie einmal war, was Ihr aber nicht so recht
gelingen will, bis 1914 der erste Weltkrieg beginnt, währenddem sie
die meiste Zeit in Belgien und in den Niederlanden verbringt. Im
Frühling 1916 während eines Aufenthalts in Den Haag bietet ihr ein
deutscher Offizier Geld für jede Information, die sie auf einer
ihrer nächsten Reisen nach Frankreich erhält. Aus finanzieller Not
nimmt sie das Angebot an und wird in Berlin vom Nachrichtendienst
unter dem Codenamen H21 als Agent angeworben. Bei ihrem Aufenthalt
in Frankreich wird sie wegen des Verdachts auf Spionage verhaftet.
Sie behauptet, nur veraltete Informationen an einen deutschen
Offizier weitergeleitet zu haben. Sie lässt sich darauf ein, für den
französischen Geheimdienst in den von Deutschen besetzten Gebieten
zu spionieren, bleibt aber ohne Wissen des französischen
Geheimdienstes weiter im Dienst der Deutschen. Diese Rolle als
Doppelagentin sollte ihr später einmal das Leben kosten auch wenn
Ihre Tätigkeit für beide Dienste nur eine vergleichsweise geringe
Bedeutung hatte.
Am 13. Februar 1917 erfährt der
französische Geheimdienst aus englischen Quellen von der doppelten
Spionagetätigkeit Mata Haris und verhaftet sie. Bei ihrer Festnahme
gibt Mata Hari an, dass sie vorhatte, den Alliierten die
Unterstützung des Herzogs Ernst August von Braunschweig-Lüneburg zu
sichern. Die genauen Umstände ihrer Spionagetätigkeit bleiben
weitgehend ungeklärt, doch die Tatsache dass sie durch
Männerphantasien und Legenden zu einer Figur gemacht wurde, welche
dem Bild des bösen, verführerischen Weibes entsprach scheint zu
genügen. Nach einem Prozess und einiger Zeit im Gefängnis wird Mata
Hari - Margaretha Zelle am 15. Oktober 1917 um sechs Uhr fünfzehn
morgens auf dem Schießplatz von Vincennes bei Paris exekutiert. Das
Anlegen einer Augenbinde hatte sie abgelehnt. Mit einem Seil an der
Taille an einen Pfahl gebunden sank sie von elf Kugeln getroffen zu
Boden. Ihre letzten Worte hatte sie an den Befehlshabenden
Offiziersanwärter gerichtet „Monsieur, ich danke Ihnen“. Ein
Offizier, welcher auf Befehl den Gnadenschuss erteilen sollte schoss
der Leiche noch eine weitere Kugel in das Ohr. Mata Haris Kopf wurde
später konserviert und ist heute in einem Museum zu besichtigen.
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