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5.2.   Maler

5.2.1.      Henri de Toulouse-Lautrec (1864 – 1901)

Henri – Marie Raymond de Toulouse – Lautrec-Monfa wurde als Sohn einer der ältesten und bedeutendsten Grafenfamilien Frankreichs am 24.November 1864 im südfranzösischen Albi geboren. Sein Vater Comte Alfonse de Toulouse hatte einige Jahre als Kavallerieoffizier gedient und dann seine Cousine Germaine Adele Tapie de Celeyran geheiratet. Schon als Säugling hatte Henri de Toulouse-Lautrec mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Seine schwache Konstitution führte dazu, dass er als Kind häufig in ärztlicher Behandlung war und auf vieles verzichten musste, was anderen Kindern seines Alters und seiner Herkunft möglich war. Im Alter von 14 Jahren rutschte er im Salon des elterlichen Palais in Albi aus und brach sich das linke Bein. Ein Jahr später stürzte er in einen Wassergraben und brach sich das rechte Bein. Beide Brüche heilten langwierig und schlecht. Monatelang musste er liegen und Schmerzen und Einschränkungen ertragen lernen, denn es zeigten sich Symptome einer sehr schweren Knochenerkrankung. Unterhalb der Brüche setzte das Wachstum der Beine aus, so dass Toulouse-Lautrec als erwachsener Mann die Beine eines Vierzehnjährigen hatte und nur eine Körpergröße von 150cm erreichte. Das Gehen fiel ihm schwer, körperliche Anstrengungen musste er meiden. Während seiner langen Krankheitszeit, in der er ans Haus gefesselt war, versuchte er sich im Schreiben und Zeichnen. In der Beschäftigung mit dem Zeichnen und Malen fand er eine Ausdrucksmöglichkeit und ein Ventil für seine Frustrationen.

Unzufrieden mit seiner familiären Situation und seinem Leben als Behinderter in einer stark im Traditionellen verhafteten Gesellschaft ging er als Achtzehnjähriger nach Paris, lernte bei verschiedenen Malern und mietete ein Jahr später gemeinsam mit Malerfreunden ein großes Atelier.  Das Pariser Leben gefiel ihm, er lernte Vincent van Gogh kennen, besuchte die Ausstellungen von Degas, Renoir und Manet und schulte sich bis 1884 im Geiste des Impressionismus.
1885 eröffnete einer seiner Freunde, Aristide Bruant, das Cabaret Le Mirliton. Für dieses Cabaret entwarf Toulouse-Lautrec viele berühmte Plakate und porträtierte mehrfach den Besitzer Bruant. Neben dem Mirliton wurden andere Nachtcafés - vor allem das Moulin Rouge - und die Theater zu Bezugspunkten für ihn. Im selben Jahr kam der Umschwung in seinem Stil, er begann eine intensive Liebesbeziehung mit der Malerin Suzanne Valadon die als Modell arbeitete und von der er zahlreiche Portraits schuf, die heute als  zeichnerische Meisterwerke bezeichnet werden. Ab 1888 begann Toulouse-Lautrec für seine Bilder Themen auszuwählen, die bis heute mit seinem Namen als Maler verknüpft sind: Situationen und Menschen aus dem Zirkus, den Vergnügungslokalen oder dem Milieu der Halbwelt. Immer wieder malte er die damals gesellschaftlich diskriminierten Nachtlokalsängerinnen, Tänzerinnen und Prostituierten. Dieser Umgang brachte ihm die Ablehnung und das Unverständnis der adligen Gesellschaft ein. Auf Fotografien aus dieser Zeit sieht man ihn häufig als kleinen Herrn im Frack und Zylinder im Empfangsraum eines Bordells oder in einem der vielen Tanzlokale. Hier und unter den Zirkusleuten fühlte er sich akzeptiert, geachtet und war gleichzeitig fasziniert von dieser „anderen“ Welt, die sich nicht an die Normen der Gesellschaft hielt. Das Plakat „Moulin Rouge“ machte ihn berühmt und er erhielt er unzählige Aufträge für Plakate, als Maler hatte er jedoch weniger Erfolg. Als sein Freund Maurice Joyant Vincents Bruder Theo van Gogh in der  Leitung der Galerie Goupil ablöste, organisierte dieser viele Ausstellungen für Henri. Dadurch wurden Bilder von ihm von berühmten Sammlungen gekauft (u.a. Zirkus Fernando, Moulin de la Galette und Tanz im Moulin Rouge). Über das Werk des Malers und Lithographen Henri de Toulouse-Lautrecs wurde auch gesagt,dass seine Bilder völlig im Absinthrausch gemalt worden seien, womit aber  wohl in erster Linie die halluzinogene Strahlkraft gemeint, die von vielen seiner Gemälde ausgeht.

Die enge Beziehung zu Suzanne Valadon endete 1897 mit einem Selbstmordversuch von ihr und war der Beginn eines ständigen und vor allem hohen Alkoholkonsums Henri de Toulouse-Lautrecs. Da er durch seine Knochenkrankheit Probleme mit dem Gehen hatte, war er dazu gezwungen einen Krückstock zu benutzen. Berichten zufolge war dieser Stock jedoch ausgehöhlt um es Toulouse-Lautrec  zu ermöglichen immer etwas Absinth dabeizuhaben oder sich in den vielen Absinthcafés heimlich etwas abzuzweigen. 1898 führte sein übermäßiger Absinthkonsum zum ersten Mal zum Delirium tremens. Nach einem weiteren Zusammenbruch im folgenden Frühjahr wurde Toulouse-Lautrec von seiner Mutter in die Nervenheilanstalt St. James in Neuilly eingewiesen. Nach zweimonatigem Aufenthalt wurde er - ständig betreut von einem Wächter - entlassen und reiste ruhelos in Frankreich umher, sichtete seine Werke in seinem Pariser Atelier, beendete viele seiner Bilder und vernichtete einen Teil. Nach einem Lähmungsanfall wurde er in das elterliche Schloss Malromé gebracht, in dem er am 9. September 1901 im Alter von 37 Jahren starb. Nach seinem Tod wuchs sein Ruhm als Maler, und 1922 wurde in seiner Geburtsstadt Albi das Musée Toulouse-Lautrec eröffnet, welches heute die größte Sammlung seiner Arbeiten besitzt.

 

 

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