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5.2.2.      Edgar Degas (1834 -1917)

Hilaire-Germain Edgar de Gas wurde am 19. Juli 1834 als Sohn einer wohlhabenden Bankiersfamilie geboren und war zunächst für eine juristische Laufbahn bestimmt. 1855 nahm er jedoch ein Studium an der École des Beaux-Arts auf und bildete sein bemerkenswertes zeichnerisches Können aus. Nach einem dreijährigen Italienaufenthalt (1856-1859) kehrte Degas nach Paris zurück und schuf Historienbilder und Porträts im streng klassizistischen Stil seines Lehrmeisters Lamothe, besonders die alten Meister wie Leonardo und Ingres beeinflussten ihn. Nach 1865 gab er unter dem Einfluss seines Freundes Édouard Manet die mythologisch-historischen Sujets auf und wandte sich zeitgenössischen Themen zu. Er schloss sich den Impressionisten an, bewahrte aber immer seinen eigenen Stil und seine künstlerische Unabhängigkeit. Anders als bei den Impressionisten, mit denen Degas aufgrund ihrer Ablehnung der akademischen Traditionen von vornherein sympathisierte, kamen Arbeitswelt und Lebensumstände im Industriezeitalter zur Darstellung, einschließlich neuer urbaner Vergnügungen wie Pferderennen  oder Ausflugslokale. Zu einem bevorzugten Motiv wurden Szenen des Großstadtlebens, Ballett- und Theaterszenen und Boudoir-Szenen, wobei bei Degas immer das Weibliche im Mittelpunkt steht was er vorrangig an Mädchen aus dem Volk wie Näherinnen und Wäscherinnen bei der Verrichtung ihrer Arbeit demonstriert. Edgar Degas einzigartiges Talent bestand darin, die Disziplin der klassischen Kunst mit der Unmittelbarkeit des Impressionismus zu verbinden. Seine beliebtesten Sujets waren das Leben in den Cafés, Balletttänzerinnen oder Frauen bei ihrer Toilette, wobei es ihm gelang, die Schönheit und Würde der kleinen Leute einzufangen.

1876 stellte Degas sein Gemälde „L’Absinthe“ fertig welches einen Mann und eine Frau die mit geistesabwesenden Gesichtern und glasigen Augen in einem Café sitzen zeigt. Unter dem Originaltitel „Skizze aus einem französischen Café“ wurde das Bild nicht besonders gut aufgenommen, als es jedoch 1893 mit dem neuen Titel „L’Absinthe“ in der Grafton-Gallery in London ausgestellt wurde, rief es kontroverse Diskussionen hervor, die zu einem diplomatischen Zwischenfall führten, welcher die englisch-französischen Beziehungen trübte. Für die schonungslose Darstellung von „Absintheurs“, wurden die Impressionisten Manet und Degas mit Salonverbot bestraft, sie stellten ihre Werke von nun an in den Pariser Cafés aus. Aber gerade durch die Skandale um ihre Bilder wurden sie und die impressionistische Bewegung überhaupt erst populär.

Ab den 1890er Jahren tritt die vormals typische scharfe Konturierung der Figuren zurück und weicht einer freien, großzügigen Linienführung, die unter anderen Henri de Toulouse-Lautrec maßgeblich beeinflusste. Dieses Phänomen resultierte nicht zuletzt aus einer sich rapide verschlimmernden Sehschwäche welche auch sein umfangreiches plastisches Werk beeinflusste. Im Alter erblindete Degas vollständig, der französische Maler, Zeichner und Bildhauer starb am 27. September 1917 in Paris. Edgar Degas kunsthistorischer Rang wurde erst posthum erkannt, heute gilt er als bedeutende Parallelfigur zu den Impressionisten, die er hinsichtlich der Motivwahl und der Kompositionsprinzipien an Modernität weit übertraf.

 

 

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