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3.
Die Geschichte des Absinths
3.1.
Antike
Die Wermutpflanze, galt schon sehr
früh in der Menschheitsgeschichte als Heilkraut. Wermut wurde schon
1600 Jahre vor Christus bei den Ägyptern erwähnt und quer durch die
Griechen- und Römerzeit, die berühmte medizinische Schule von
Salerno im 11. Jahrhundert, das Mittelalter und bis in die Neuzeit
war Artemisia Absinthium eines der wichtigsten Heilkräuter gegen
alle möglichen Beschwerden, wurde zur Herstellung diverser
alkoholischer Getränke genutzt und galt in der Alchemie sogar als
magische Pflanze.
3.1.1.
Ägypter
Wermut ist wahrscheinlich schon von
den Ägyptern benutzt worden und gehört zu den ältesten uns bekannten
Arzneipflanzen.
Schon vor 2000 Jahren gab es mit der
Wermutpflanze gebraute Getränke, so ein Wermutbier im alten Ägypten,
welches mit Früchten und Honig angesetzt war, wahrscheinlich um den
bitteren Geschmack zu mildern. Wermut war bei den Ägyptern auch eine
kultische Pflanze, da ihn die Isispriesterinnen bei Ritualen in den
Händen hielten.
3.1.2.
Griechen
Bereits in der griechischen Antike
kannte man die Wirkung von Absinth in allen möglichen Formen vom
Heilmittel bis zum Aphrodisiakum. Mit Wermut angesetzter Wein wurde
von Hippokrates (um 460 – 375 v. Chr.) der viel mit Wermut
experimentierte, und Pythagoras (um 570 – 480 v. Chr) als
Arzneimittel gegen vielerlei Leiden empfohlen und Teile der Pflanze
wurden für medizinische Zwecke als Magentherapeutikum eingesetzt.
Die appetitanregenden und verdauungsfördernden Eigenschaften des
Wermuts waren bereits Hippokrates bekannt.
Galen, der berühmte griechische Arzt
(um 131-201 n. Chr.), empfahl einen Wermutwein bei
Magenverstimmungen. Ob er damals nur als Medizin, oder auch als
Getränk getrunken wurde ist leider nicht überliefert. Aber die alten
Griechen kannten auch schon die euphorische und aphrodisierende
Wirkung von speziellen Wermutzubereitungen, denn Pythagoras und
Hippokrates berichteten nicht nur von seiner Heilkraft, sondern auch
von seiner aphrodisierenden Wirkung und der Kreativitätssteigerung,
die sie durch den Wermutwein erfuhren.
In der griechischen Mythologie war
Wermut der Göttin der Jagd und der Fruchtbarkeit, Artemis geweiht
und hatte große Bedeutung in der gynäkologischen Volksmedizin, sowie
als Liebesmittel. Aber Artemis war auch die Beschützerin der Tiere
und der Natur. Sie schützte die Natur vor allem vor den Männern, die
für sie nur für die Fortpflanzung wichtig waren und wurde somit die
große Beschützerin aller Frauen. Kein Wunder heißt das Wermutkraut
also Artemisia, denn Medizin aus Wermut begleitete die Frauen von
der Pubertät bis zur Menopause, half bei der Geburt, und damit ist
auch schon die Erklärung für die Legende des Abtreibens mit Absinth
gegeben.
3.1.3.
Römer
Absinthium
(’αψίνθιον) oder Wermut (-kraut) ist schon Comici, Lukrez (ca. 55 n.
Chr.), Ovid und Quintilian (um 35 – 100 n. Chr.) bekannt, nach der
Definition Lukrez ist Absinth ein bitteres Getränk welches aus
Artemisium, dem nördlichen Vorgebirge von Euböa, stammt. Der
römische Schriftsteller Plinius der Ältere (23 – 79 n. Chr.) erwähnt
in seiner enzyklopädischen „Naturalsis historia“, einer
Gesamtdarstellung der Naturwissenschaften, unter anderen den Wermut
als vorzügliches Mittel gegen Seekrankheit und beschreibt den, dem
Wermut verwandten Beifuß als ein neutralisierendes Mittel bei
Opiatvergiftungen, was heute aufgrund pharmakologischer Erkenntnisse
nachvollziehbar erscheint. Ebenso war eine heilende Wirkung bei
Wurmerkrankungen sowie eine die Gebärmutter stimulierende Wirkung
thujonhaltiger Pflanzen bekannt. Bei Missbrauch größerer Mengen
Salbei, z. B. zu Abtreibungszwecken, wurden Vergiftungserscheinungen
beschrieben, die wie eine Thujonvergiftung erschienen und wohl auch
darauf zurückzuführen waren. Im alten Rom bedienten sich Frauen des
Wermuts wie des Salbei, die beide thujonhaltig sind, um unliebsame
Schwangerschaften zu unterbrechen.
Plinius stellte auch in der Antike
einen, als Absinthithes bezeichneten Wein her, dem Wermutextrakte
zugesetzt wurden. Man kann folglich davon ausgehen, dass
thujonhaltige Getränke bereits sehr früh verbreitet waren. Vergessen
darf man aber nicht, dass die damaligen Extrakte allenfalls durch
Auskochen in Wasser oder in alkoholischer Lösung erfolgten. Erst mit
der Erfindung der Wasserdampfdestillation im 16. Jahrhundert gelang
es, an Stelle „harmloser“ ausgekochter Auszüge hochkonzentrierte
Essenzen zu gewinnen.
3.1.4.
Erwähnungen in der Bibel
Der Wermut fand auch Eingang in die
Bibel, allerdings in einer etwas negativeren Form da er hier oft in
Zusammenhang mit Bitterkeit, Gift und Verrat auftritt. In der
biblischen Apokalypse (ca. 95 n. Chr.), auch als das 5. Element
bezeichnet, findet sich in der Offenbarung des Johannes 8,10 – 11
ein recht bekannter Absatz: „10Und
der dritte Engel blies seine Posaune; und es fiel ein großer Stern
vom Himmel, der brannte wie eine Fackel und fiel auf den dritten
Teil der Wasserströme und auf die Wasserquellen.
11Und der Name des Sterns heißt Wermut.
Und der dritte Teil der Wasser wurde zu Wermut, und viele Menschen
starben von den Wassern, weil sie bitter geworden waren.“ Es ist
leicht möglich, dass sich die späteren Absinthgegner diese Sätze zu
Nutzen gemacht haben, da der Inhalt der Lage aus ihrer Sicht im 19.
Jahrhundert ähnelt. Dieser Vergleich wirkte sich in Frankreich und
in der Schweiz wahrscheinlich noch stärker aus, da das französische
Wort für Wermut ebenso Absinth ist und hier vom sprachlichen her
kein Unterschied zwischen der Pflanze und dem Getränk besteht.
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