|
7.3.4.3.
Besuch
des Moulin Rouge
Geschichte der
roten Mühle
Gleichgültigkeit,
Leichtigkeit und Lebensfreude – mit diesen Worten kann man am besten
die Zeit zwischen zwei Kriegen und zwischen zwei Jahrhunderten in
Frankreich beschreiben, eine kulturelle Zeit, in der sich die
sozialen Barrieren verwischen und man sich vor allem viel amüsiert.
Wie in jeder schwierigen Zeit zieht es die Leute und vor allem die
Künstler in die Kabaretts und Cafés. Künstler, Bourgeoisie,
Aristokraten und einfache Leute sitzen an einem Tisch in der
fröhlichen Atmosphäre eines Café-Konzerts, das ein Symbol dieser
Zeit des sozialen und kulturellen Umschwungs wird.
Das Moulin Rouge,
das erste Kabarett der Welt, entsteht in dieser Zeit im Jahr der
Weltausstellung, in der Paris sein Wahrzeichen von Gustave Eiffel
bekommt. Am 6. Oktober 1889 findet am Fuße der Butte Montmartre ein
großes Fest statt, es handelt sich um die Eröffnungsfeier des Jardin
de Paris und der neuen Musikhalle, dem Moulin Rouge. Und die
Besucher bekommen einen wahrlich extravaganten Ort zu sehen: eine
riesige Tanzfläche, überall Spiegel, eine Galerie und im Garten ein
riesiger Stucco Elephant, der von der Weltausstellung 1889 geholt
wurde. Ebenso verwunderlich ist die Windmühle auf dem Dach des
Moulin Rouge. Es handelt sich dabei um ein Überbleibsel aus der Zeit
von Louis XIV, in der im Pariser Quartier Montmartre an die 30
Windmühlen standen. Die Windmühle schmückt auch heute noch das Dach
des Moulin Rouge, wenn auch in der oftmals reparierten und
umgeänderten Form.
Die Besitzer dieses
neuen Etablissements waren Joseph Oller und Charles Zidler, die
schon damals sagten, dass das Moulin Rouge einer der grandiosesten
Tempel für Tanz und Musik werden sollte.
Um 1850 erfindet
Céleste Mogador, eine Tänzerin des Bal Mabille den neuen Tanz
Quadrille. Davon inspiriert erfindet Charles Morton 1861 in London
den Französischen Cancan. Obgleich die Engländer von diesem neuen
Tanz nur geschockt sind, steigt die Popularität des Cancan in Paris
immer weiter an.
Die Bälle im Moulin
Rouge erlangen schnell Weltruhm, nicht zuletzt wegen dem
Französischen Cancan mit seinen unglaublichen Rhythmus und seinen
fabelhaften Tänzerinnen, die ganz Paris den Kopf verlieren lassen
und bald als „Furias Franceses“ zu einem weiteren Symbol von Paris
werden. In einem Pariser Veranstaltungsführer von 1898 werden die
Tänzerinnen des Cancan als „eine Armee junger Mädchen. die hier
sind, um den göttlichen Pariser Tanz mit einer Elastizität
aufzuführen, ihre Beine in die Luft zu schmeißen, um jede Moral
vergessen zu lassen“ beschrieben.
Die illustren
Tänzerinnen dieser Epoche rivalisieren geradezu mit ihrem
Temperament vor der Szenerie des Moulin Rouge: die berühmte Goulule,
Jane Avril (unter dem Pseudonym Jeanne la Folle), Môme Fromage, auch
Grille d’Egoût genannt, Nini Pattes und nicht zu vergessen Yvette
Guilbert und natürlich Mata Hari. Die einzige unvergessliche
männliche Figur war Valentin de Désossé, auch l’Homme du Quadrille
genannt.
Die ersten zehn
Jahre des Moulin Rouge zeichnen sich durch Soirées und vom Zirkus
inspirierte Attraktionen aus, von denen eine extravaganter als die
andere ist. Neben dem Französischen Cancan zeigt man die ersten
Revuen, nämlich jene der „Circassiens et Circassiennes“ im Jahre
1890. Man organisiert jeden Tag Konzerte und Bälle bis 22h. Der Bal
des Qaut’zarts löst einen Skandal aus: man sieht eine halbnackte
Cleopatra die von vier Männern getragen und von etlichen nackten
jungen Mädchen auf Blumenbetten umringt ist.
Henri de
Toulouse-Lautrec ist der große Zeuge dieser Periode, unter seinen
Werken sind 17 sehr weltberühmte direkt vom Moulin Rouge inspiriert
worden. Es wird sogar behauptet, dass Toulouse-Lautrec ohne das
Moulin Rouge nie das geworden wäre was er ist. Genauso wäre
wahrscheinlich auch das Moulin Rouge nie das geworden was es heute
ist, wäre nicht Toulouse-Lautrec gewesen.
Am 29. Dezember
1902 schlägt die Stunde des letzten Balls im Moulin Rouge, die
Quadrille ist nicht mehr in Mode und der Ball des Moulin Rouge
wandelt sich in Theater-Konzerte unter dem neuen Direktor Paul-Louis
Flers um. Paul-Louis Flers ist ein in ganz Paris bekannter Revueist
der aus dem Moulin Rouge einen Ort mit Prestige machen will. Er
bleibt aber nur 9 Monate Direktor, und es folgen ihm einige nicht
sehr namhafte Direktoren und Jahre.
1907 macht eine gewisse
Mistinguett ihre ersten Schritte vor der Szenerie des Moulin Rouge
in der „Revue de la Femme“ und es ist der Beginn einer langen
Geschichte. Sehr schnell kommt ihr außergewöhnliches Talent zu Tage
und sie wird ein leuchtender Stern am Firmament des Moulin Rouge.
Im ersten Weltkrieg
ist das Moulin Rouge geschlossen, da niemand Spektakel sehen will.
Nach dem Krieg übernimmt Francis Salabert das Kommando über das
Moulin Rouge. Er zeigt Spektakel mit amerikanischen Tänzerinnen,
überredet Gertrude Hoffmann, die Direktorin des Hoffmann Balletts
zur Teilnahme und kreiert „New York – Montmartre“. Am Kopf der
Produktion stehen als die ersten Zwillinge der Geschichte der
Musikhalle die Dolly Sisters Rosy und Jenny. Somit hält der Broadway
Stil Einzug in die Pariser Szenerie. Am Abend der Premiere ist
Mistinguett, schon jetzt als Königin des Moulin Rouge bekannt, im
Saal und erkennt sofort dass sich in dieser Kunstform gerade eine
Revolution vollzieht. Gemeinsam mit Jaques-Charles wird sie später
in sensationellen wie mythischen Produktionen wie „La Revue
Mistinguett“ 1925, „Ça c’est Parsi“ 1926 und anderen grandiosen
Soirées bis 1929 mitwirken. Mit Mistinguett erhält der Französische
Cancan einen noblen Status. Ein gewisser Gesmar wird Meister in der
Kunst des Kostümschneidens und -entwerfens, mit seinen prächtigen
Kostümen wird das Moulin Rouge noch glanzvoller. Kritiker schreiben,
dass die Kulissen des Moulin Rouge an Szenen aus Tausend und Eine
Nacht erinnern.
Nachdem Mistinguett
das Moulin Rouge verlässt, ist nichts mehr so wie vorher, der
Ballsaal wird zu einem Nachtclub. Das Moulin Rouge erlebt mit dem
Cotton Club, der in New York Furore macht, und den Abenden von Ray
Ventura und seinen Kollegen unvergessliche Momente in den Jahren vor
dem zweiten Weltkrieg. Unter der deutschen Besatzung von Paris von
1939 bis 1945 findet niemand die Möglichkeit sich zu amüsieren. Der
einzige Sonnenstrahl ist nach der Befreiung Paris der einzigartige
Auftritt Edith Piafs im Moulin Rouge.
Nach dem Krieg
braucht das Moulin Rouge sechs Jahre um sich wieder zu erholen. Am
22. Juni 1951 findet unter dem Direktor Georges France seit langem
wieder ein Ball statt. Georges France, auch Jo France genannt, ist
ebenfalls Dekorateur und er verleiht dem Moulin Rouge wieder den
Glanz eines berühmten Pariser Etablissements. Tanzabende,
Attraktionen und Wohltätigkeitsveranstaltungen finden statt,
darunter auch der 25. Bal des Petits Lits Blancs am 19. Mai 1953 zu
dem 1200 Künstler aus aller Welt anreisten um den Organisator des
Abends, Guy des Cars, zu ehren.
1955 werden Joseph
und Louis Clérico die Direktoren des Moulin Rouge, sie wollen der
großen Tradition des Bal Populaire folgen. Kurz darauf werden im
Moulin Rouge Küchen installiert, das „Diner-Spectacle“ des Moulin
Rouge wird zu einem Muss der Pariser Attraktionen. Die ganze Welt
kommt um das Moulin Rouge als eines der großartigsten Monumente der
schönsten Stadt der Welt zu besuchen. Sogar Elvis Presley fährt nie
aus Paris ab, ohne nicht vorher das Moulin Rouge besucht zu haben.
Französischer Cancan und die berühmte Quadrille im Moulin Rouge, von
Doris Haug kreiert lassen alle Welt ins Moulin Rouge kommen.
1962 wird Jacki
Clérico, Sohn von Joseph Clérico, zum Kopf des Moulin Rouge, welches
seine legendäre Stellung zurückerhält. Zwei Jahre nach seiner
Übernahme lässt sich Jacki Clérico auf eine verrückte Idee ein: den
Bau eines riesigen Aquariums, in dem die Tänzerinnen als Nixen und
Medusen auftreten werden. Für seine Revues und Shows nimmt Clérico
nur Titel mit F, was mittlerweile zur Tradition geworden ist. Die
Kette reicht von „Frou Frou“ bis zum unvergesslichen „Formidable –
la Revue du Centeneaire“ das auch heute noch als das
beeindruckendste gilt.
Am 12. Februar 1988
wird das 100jährige Bestehen des Moulin Rouge mit einem großen Fest
gefeiert, es kommen alle Stars des Show Biz und viele andere
wichtige Leute mehr um dem Moulin Rouge ein weiteres langes Bestehen
mit Humor und Freude zu wünschen.
Seit der Geburt des
Moulin Rouge 1889 wurden zahlreiche Spektakel, Soirées mit
Französischem Cancan und Attraktionen kreiert. Nicht zu vergessen
sind hierbei die Revues, die es von 1894 bis 1912 gab und wieder
seit 1963 gibt. Sie werden alle paar Jahre erneuert und bestehen
immer aus drei oder vier Hauptszenen. Hier sollen die wichtigsten
vorgestellt werden.
Die jetzige Revue – „Féerie“
„Féerie“ besteht
aus 100 Künstlern, davon 60 Doriss Grirls, über 1000 Feder- und
Glitzerkostüme, 80 Musikern, 60 Chorsängern, einzigartige
Bühnendekoration von Italienischen Künstlern. „Féerie“ wurde vom
Direktor der ersten Moulin-Rouge-Show, Jackie Clerico, produziert
und von Doris Haug und Ruggero kreiert. Bill Godson ist für die
ganze Choreographie verantwortlich, Corrado Collabucci entwarf und
fertigte die Kostüme an, das Bühnenbild ist von Gaetano Castelli,
Lichtdesigner ist Christian Bréan, Musik ist von Pierre Port und die
Texte sind von Charles Level.
Bühnendirektor ist
Thierry Outrilla.
Hauptszenen
„The Moulin Rouge today and yesterday, the Moulin Rouge forever"
Wenn die Lichter
ausgehen und der Vorhang sich hebt erscheint die ganze
Künstlertruppe auf der Bühne. Das Publikum wird von den Doriss
Grirls und den Doriss Tänzern verzaubert, im Hintergrund ein
phantastisches Bühnenbild mit einer Spur Nostalgie und einer
magischen Atmosphäre.
„Sandokan"
Sandokan erzählt die Geschichte eines Piraten, dessen Schiff in
Indonesien gestrandet ist. Tempelpriesterinnen umrundet von
Schlangen treten auf, Sandokan verliebt sich und das Publikum wird
in eine orientalische Atmosphäre getaucht.
„The
Circus"
Der Zirkus kommt in die
Stadt und mit ihm Clowns, Siamesiche Zwillinge, Harlekins,
Akrobaten, Jongleure, seltsame wilde Tiere und sechs Miniaturpferde.
Farbenvolle Bühnenbilder und eine große Parade der Doriss Girls und
der Doriss Dancers zeichnen diese Szene aus.
„The Moulin Rouge from 1900 to…"
Das Moulin Rouge widmet diese Szene
allen Pariser Frauen von seinem Bestehen an. Bühnenbilder sind die
des 14. Juli, die Befreiung von Paris untermalt mit Boogie Musik.
Die Zeit vergeht und macht Raum für eine neue Generation von Frauen,
schöner und freier als jemals zuvor. Als Highlight dieser Szene
tanzen die Doriss Girls den weltberühmten Französischen Cancan.
Preise
Für die Show um 21
Uhr zahlt man € 92,- und für die um 23 Uhr € 82,-, die Dauer beträgt
2 Stunden. Eine halbe Flasche Champagner ist im Preis inkludiert. Da
man auch die Möglichkeit hat im Moulin Rouge zu essen, gibt es für
die Show um 21 Uhr auch Preise die ein Abendessen um 19 Uhr
inkludieren. Diese wären das Menü „French Cancan“ um € 130,-, das
Menü „Toulouse-Lautrec“ um € 145,- oder das Menü „Belle Epoque“ um €
160,-.
Die Preise gelten bis 31. März 2004 und müssen daher noch
aktualisiert werden. Abendkleidung und Jackett mit Krawatte ist
erwünscht, keine Jeans, Tennisschuhe oder Sportkleidung. Karten
können reserviert werden und sind dann direkt an der Kasse abzuholen
und dort auch mit Kreditkarten, Bargeld oder Traveller Schecks zu
bezahlen. Man sollte 30 Minuten vor Showbeginn, bzw. vor Beginn des
Abendessens dort sein.
|