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7.3.4.4.
Besuch
der Bouillon Chartier
Bouillons
Die Bouillons wurden vom Fleischhauer
Pierre-Louis Duval 1855 erfunden und waren billige Restaurants in
denen die Marktleute und Fabrikarbeiter essen konnten. Er bot dort
ein einzigartiges Menü und eine Suppe zu einem minimalen Preis an.
1896 öffneten die Brüder Chartier ihre
erste „Bouillon“ in der Rue Faubourg Montparnasse; das Bouillon
Chartier, die bislang größte Bouillon mit einem luxuriösem Dekor der
Art Nouveau. Die Bouillons wurden schnell zu einer Pariser
Institution des 19. Jahrhunderts. Hier bekamen die Arbeiter, die
häufig keine Kochgelegenheit in ihren Unterkünften hatten, eine
sättigende warme Mahlzeit zu einem günstigen Preis. In Paris um 1900
gab es 25 solcher Bouillons. Einige eher bourgeoise Varianten dieser
Bouillons verfügten außerdem noch über Lesesalons und unterhaltsame
Attraktionen. Zur gleichen Zeit verbreitete sich der Charme der Art
Nouveau über ganz Europa in den Restaurants, Cafés und Boutiquen.
Die Ausbreitung dieser neuen Kunstform zeigt den Beginn einer neuen
Ära.
1899 entsteht die erste Bouillon
Grandon-Duval, eingerichtet in einem alten Restaurant vom Eigentümer
und Architekten Edouard Fournier. 1904 entsteht eine weitere
Bouillon der Brüder Chartier am Boulevard St. Germain, die später
das Vagenende werden sollte.
Der Architekt Jean-Marie Bouvier hat
1906 gemeinsam mit Louis Trézel auch andere Bouillons ins Leben
gerufen: die Grand Bouillon Camille Chartier in der Rue Racine und
die Bouillon Edouard Chartier am Boulevard Montparnasse.
Heutzutage haben nur wenige dieser
Bouillons überlebt. Von diesen vier atmen nur noch das Chartier und
das Bouillon Racine den ursprünglichen Geist und bewahren den
barockischen Eindruck der Art Nouveau. Andere wie das Café du
Commerce und das Vagenende haben sich mehr auf touristische
Kundschaft eingestellt.
Bouillon Chartier
Das Bouillon Chartier ist ein
Restaurant für all jene die den Charme des Paris um 1900 lieben.
Einst als Suppenküche für die Marktleute und als ehemaliges
Armenrestaurant der Stadt eröffnet, ist es heute ein In-Laden. Es
besteht aus einem großen Speisesaal und ist in einem Hinterhof
gelegen, trotzdem reicht die Schlange der Wartenden gerade am
Wochenende oftmals bis zur Straße. Die ganze Ausstattung hat sich
seit der Eröffnung im Jahre 1896 nicht verändert. Das originale
Dekor aus Holz, Messing, Glas, Spiegeln, Gemälden, Keramiken,
Drehtüren, sowie Hunderte kleine Schubläden und Boxen an den Wänden
in denen die Stammkunden ihr Besteck aufbewahrten, sind noch immer
erhalten. Das Ambiente des Chartier mixt den Stil des Fin de Siècle
mit gutem Essen zu günstigen Preisen. Es ist berühmt für seine
„Bouillon de Lundi“, eine Suppe die jeden Montag um 10 FF erhältlich
war.
Das Chartier war eines der
beliebtesten Lokale von Guillaume Apollinaire, wo er nicht nur
seinen großen Hunger zufrieden stellt sondern auch seinen Durst mit
Absinth. Er traf sich dort mit Picasso, Jarry und anderen
Absintheuren.
1984-1985 und 1995 wird das Chartier,
welches übrigens die letzte Bouillon ist das noch immer den Namen
der Brüder Chartier trägt, ins Inventar der historischen Monumente
aufgenommen.
Den heutigen Besucher erwartet im
Bouillon Chartier ein lebendiges Ambiente, in dem ein ständiges,
nahezu hektisches Kommen und Gehen herrscht, was aber wiederum den
Charme des Chartier ausmacht, und das ist durchaus freundlich.
Obwohl der Andrang so groß ist, muss
man meist nicht lange auf einen Platz warten, da die Küche die
Speisen schnell herstellt und jeder leere Platz sofort besetzt wird.
Allein Essen ist hier also Tabu, jeder bekommt sofort einen oder
mehrere Tischnachbarn. Und so kennt das Chartier tatsächlich keine
Tischreservierungen und auch die Öffnungszeiten richten sich
deutlich mehr an die Bedürfnisse arbeitender Menschen als an die von
Touristen und Müßiggängern.
Die Bestellungen und Rechnungen werden
auf der Papiertischdecke notiert, es gibt jeden Tag ein anderes Menü
und eine neu getippte Karte, und die Preise für ein Menü variieren
zwischen 15 und 25 Euro. Die Küche ist zwar simpel, dafür gibt es
handfeste französische Kost, die den Magen füllt und gleichzeitig
den Gaumen zufrieden stellt und dazu auch noch günstig ist. So gibt
es jeden Tag einen Menüvorschlag für etwa 15 Euro, obgleich die
Preise am Wochenende etwas höher angesetzt werden, da es dann auch
hochwertigere Gerichte gibt. Das Bouillon Chartier ist täglich von
11h30 bis 15 Uhr und von 18 Uhr bis 22 Uhr geöffnet.
Bouillon Racine
Am Anfang des 20. Jahrhunderts ist die
Geburt des Bouillon Racine wie es heute noch bekannt ist. Es ist das
Theater der Art Nouveau, ein Treffpunkt der Bourgeoisie aber auch
der weniger begüterten Gesellschaft von Paris. Vor allem traf man
sich dort um seine Suppe zu essen aber auch um Absinth zu trinken.
Camille Chartier bleibt Besitzerin bis 1926, danach übernimmt Madame
Launois das Restaurant bis 1956. Der nachfolgende Eigentümer verlegt
den Verkauf an die Université de Paris und errichtet dort 1962 ein
Restaurant für das Personal der Sorbonne. Er bleibt bis 1993
Besitzer, lässt zwar den größten Teil der Einrichtung und der
Dekoration bestehen, verfügt aber nicht mehr über die Attribute
eines Luxusrestaurants.
1996 wird das Bouillon Racine komplett
renoviert und bedient sich dabei des Wissens von fast vergessenen
Fertigkeiten. Abgeschrägte Spiegel, opaline und Glasbilder,
ziselierte Holz- und Metallarbeit und Marmormosaike bieten dem
Publikum durch seine Schönheit einen bezaubernden Ort und vermittelt
den Eindruck eines Paris des vergangenen Jahrhunderts. Es ist
bereits als historisches Monument anerkannt.
Vagenende
Das 1904 eröffnete Vagenende ist eine
der vielen Bouillons der Brüder Chartier. Dieses Restaurant hat
seine prächtige Art Nouveau Dekoration erhalten, die Küche ist im „Brasserie-Stil“
gehalten. Spezialitäten sind die „Sole meunière“, geröstetes Lamm
mit Thymian, „Andouillette“ (Würste aus Kutteln) und Zitronenkuchen
mit Meringue. Ein Menü kostet um die 20 Euro.
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