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2.4.2.      Alkohol

Sicherlich ist als weiterer Hauptwirkstoff des Absinths der Alkoholgehalt zu sehen, der immerhin zwischen 50 und 80 Volumenprozent liegt. Nicht zu Unrecht weisen eine Reihe von Untersuchern auf das Verhältnis zwischen Ethanolgehalt und Gehalt an Thujon hin. Es bestünde also die Möglichkeit, dass im Absinth eine gewisse Balance zwischen Wirkungen des Thujols und des Alkohols besteht, wobei einige Wirkungen abgeschwächt oder aufgehoben werden. Diese Theorie würde die angeblich einzigartige, da im Vergleich zu übrigen Spirituosen erhöhte, Wirkung des Absinths zumindestens teilweise erklären. Allerdings wird die Wirkung von Thujon aufgrund des hohen Ethanolgehaltes erheblich eingeschränkt.

Betrachtet man die früheren Beschreibungen des Absinthismus, so ergeben sich große Übereinstimmungen mit den Symptomen des Alkoholismus. Halluzinationen, Schlaflosigkeit, Muskelzittern, Lähmungen und Krämpfe gibt es auch dort, es kann also beim heutigen Wissenstand nicht ausgeschlossen werden, dass die beschriebenen Absinthwirkungen in Wirklichkeit hauptsächlich ethanolbedingt waren. Ferner ist auch die Verwendung minderwertigen Alkohols zu bedenken, mit der dann auch leicht Symptome wie Sehstörungen und Erblindung erklärt werden könnten. Das Gegenteil ist natürlich ebenfalls nicht bewiesen, ganz zu schweigen davon, dass bei mancher Absinthherstellung auch noch andere Pflanzen mit nachgewiesenem psychedelischer Wirkung zum Einsatz gekommen sind.

 

Der hohe Alkoholgehalt und der bittere Geschmack durch das Absinthin machen es allerdings möglich dem Absinth noch eine Reihe anderer Stoffe hinzuzufügen, sei es nun um eine kräftigerer Farbe durch andere Chemikalien zu erreichen, oder um eine im Zuge des „Volkssports“ Lebensmittelverfälschung erreichte höherer psychoaktive Wirkung durch Zugabe von anderen weit gefährlicheren Pflanzen.

Da die ursprüngliche Kundschaft des Absinths auch keine hohen Ansprüche stellte, war die Möglichkeit gegeben Absinth zu panschen oder zu strecken. Anstelle von Trinkalkohol wird beispielsweise Industriespiritus verwendet, der Beimischungen von Methanol und Fuselölen enthält. In den Destillerien des 19. Jahrhunderts wurde viel Kupfer und Messing verwendet, was dazu führte das Rückstände dieser Metalle oft in den Alkohol übergingen. Normalerweise hat eine erhöhte Kupferzufuhr für einen Erwachsenen kaum negative Folgen, da Kupfer ein wichtiges Spurenelement ist. In Verbindung mit massivem Alkoholkonsum wirkt sich diese erhöhte Zufuhr von Kupfer und anderen Metallen jedoch schädlich aus und ist zum Teil verantwortlich für eine Leberzirrhose; so ist bei Alkoholikern der Kupfergehalt der zirrhotischen Leber außergewöhnlich hoch. Aber auch Mykotoxine [1] waren stetige Begleiter bei der Produktion von alkoholischen Getränken, hervorgerufen entweder durch das Verschimmeln der Maische oder durch verschimmeltes Traubenmaterial [2]. Untersuchungen haben zum Beispiel ergeben, dass es bei Tieren unmöglich ist eine Zirrhose allein durch Alkohol zu erreichen, mit vielen Chemikalien, Schimmelgiften oder durch eine Kupfervergiftung gelingt dies aber auf Anhieb. Es ist also anzunehmen, dass anstelle des allseits verdächtigten Alkohols vielmehr Kupfer und Schimmelgifte für die Entstehung einer Leberzirrhose verantwortlich sind. Heute wurde die Kupfer- und Messingausrüstung in den meisten Betrieben durch Edelstahl ersetzt und durch Kontrollen ist es möglich das Destillieren von verschimmeltem Material zu verhindern.

2.4.3.      Zusätze

Wie schon eingangs beschrieben, enthält das Getränk Absinth noch jede Menge verschiedene Zusätze, bei denen es sich ausschließlich um Heilkräuter handelt. Diese variieren jedoch je nach Rezept, Hersteller und Herkunftsland. Gängig sind Sternanis, Fenchel, Pfefferminze, Anis, Ysop, Melisse, Koriander, Minze, Angelikawurzel, Wermutblätter, Kalmuswurzel, Diptamdostblätter, Zimtrinde, Kamille, Kardamomen, Mate und Zitrone.

Zwei der auch heute noch dem Absinth zugesetzten Heilkräuter können unter Umständen eine psychoaktive Wirkung haben. Fenchel (Foeniculum vulgare) soll stimmungsaufhellend und beruhigend wirken und wird auch in der Naturmedizin gegen Depressionen angewandt. Manche Konsumenten behaupten, dass getrockneter Fenchel in gerauchter Form ähnlich wie Cannabis wirkt, Beweise hierfür gibt es aber nicht.

Kalmus (Acorus calmus) ist ein Aronstabgewächs, das in den gemäßigten und subtropischen Zonen beider Erdhalbkugeln an ruhigen Gewässern wächst. Psychoaktiv wirksam ist der Bestandteil Asaron. Kalmus wird von kanadischen Indianern gegen Schmerzen und bei Asthma angewendet. Einige Indianerstämme kauen die Wurzel und erzeugen so einen Meskalin-ähnlichen Rausch. Auf weitere in Verbindung mit Alkohol eingenommenen psychoaktiven Pflanzen sowie Begriffe wird im Kapitel Weiter Psychoaktive Pflanzen im Alkohol noch näher eingegangen.

Von den übrigen Kräuterzusätzen sind keine gefährlichen oder psychoaktiv wirksamen Inhaltsstoffe bekannt.

Nun sind aber nicht nur Pflanzen als schädliche Inhaltsstoffe anzusehen, weitaus gefährlicher sind die Zusätze die früher und teilweise auch heute noch verwendet werden, um eine stärkere Grünfärbung des Absinths zu erreichen wenn das pflanzliche Chlorophyll nicht ausreicht.

Die grüne Farbe lässt sich elegant mit Kupfersulfat, Kupferacetat, Indigo oder Anilinfarben herstellen, das erspart die mühevolle Herstellung chlorophyllhaltiger Ysop-Extrakte. Nun bilden aber nicht nur Terpene wie das Thujon im Wasser einen milchig-trüben Niederschlag, sondern auch Antimontrichlorid, welches im 19. Jahrhundert gerne als Hilfsmittel eingesetzt wurde. Antimon ist ein naher Verwandter des Arsens und diesem in seiner Wirkung auf den Menschen durchaus vergleichbar.


[1] Schimmelpilze
[2] Botrytis ist hier als eine Ausnahme zu sehen, es handelt sich um ein gewolltes unschädliches Verschimmelnlassen
 

 

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