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7.3.3.      Festivitäten

Obwohl Pontarlier und Boveresse nur 15 Meilen auseinanderliegen sind, sie von mehr als einer internationalen Grenze voneinander getrennt wenn man die Absinthe Festivals vergleicht. Beide Orte halten sich selber für die Hauptzentren des Absinths, aber Boveresse und sein „Fête de l’Absinthe“ kann diesen Titel als erstes beanspruchen. Im Vergleich zu den Absinthiaden in Pontarlier scheinen die Schweizer, obgleich sie in kleineren Zahlen vertreten sind, viel seriöser darin zu sein die Geschichte und den Mythos des Absinths zu vermitteln als die Franzosen. Daher wurde für dieses Projekt der Besuch des Absinthfestes in Boveresse und damit auch die Zeit der Studienreise für Mitte Juni festgelegt.

7.3.3.1.            Fête de l’Absinthe in Boveresse

Im Dorf Boveresse im Schweiz Kanton Neuchâtel findet jährlich im Juni das Fête de l’Absinthe statt. Das siebente Fête de l’Absinthe ist dieses Jahr am Samstag dem 19 Juni 2004 von 10h bis ca. 20h. Es findet im Zentrum der Stadt Boveresse in der Nähe des Regionalmuseums im Freien statt, bei schlechtem Wetter gibt es einen überdachten Pavillon. Veranstaltet wird dieses Fest von der Gemeinde Boveresse.

Das Thema ist natürlich der Absinth und seine Geschichte in der Schweiz. Es gibt dort zahlreiche Stände von verschiedenen Leuten die mit Absinth, angefangen von der Aussaat bis zum Verkauf, zu tun haben. Einer der Absinthproduzenten und gleichzeitig berühmtester Teilnehmer ist die Kübler Destillerie, gefolgt vom Musée d’Histoire et d’Artisanat de Val-de-Travers und dem Musée de l’Absinthe aus Auvers-sur-Oise. Eine kleine Attraktion ist natürlich der Absinthbus des Unternehmens Green Utopia, der wie jedes Jahr auch auf dem Absinthfest zugegen sein wird. Für Historiker kann der sehr gut geschriebene und recherchierte Festival Katalog leicht mit den Absinthbüchern von Marie-Claude Delahaye verglichen werden, da beide unschätzbare Informationen über historische Destillerien und die Schweizer Absinthproduktion enthalten.

Obwohl das Fest dem Absinth gewidmet wird, ist es auch ein Volksfest, und ein Großteil der Veranstaltungen wird für Kinder organisiert. So wird den ganzen Tag über ein örtliches Entertainment mit zahlreichen Animationen, Spielen, Tanzvorführungen, etc. veranstaltet. So erinnert auch das Symbol des Val-de-Travers, eine Cartoon-Version der grünen Fee, eher an Kinderfeste. Um 18h findet eine kleine Tanzveranstaltung statt, bei der es ein Buffet mit Essen und Trinken gibt. Es gibt auch eine Ausstellung extra für die „grüne Stunde“, bei der das ganze Absinthritual im Vordergrund steht, zudem noch zahlreiche Filme über Absinth und Wermut. 

Ein alter Absinth-Trockenschuppen wurde zu einem Museum umgewandelt, vor dem beim Fête de l’Absinthe ein kleiner Flohmarkt stattfindet. Secondhand-Händlern verkaufen unterschiedlichste Gebrauchsgegenstände vom originalen Absinthlöffel über historische Bücher und Plakate bis zu alten Flaschenetiketten aus dem 19. Jahrhundert. Es wird auch zahlreiches Kunsthandwerk ausgestellt, und bei einem dieser Stände kann man sich sogar seinen eigenen Absinthlöffel gießen.

Im Obergeschoss des Rathauses wird einer Ausstellung von Antiquitäten, Postern, kleinen Alambics und einigen Ständen mit im Absinth enthaltenen Kräutern und alten sowie aktuellen Absinthflaschen ausschließlich der Grünen Fee gewidmet.

 

Die Kübler-Destillerie wie auch Privathersteller bieten natürlich Absinth, Absinthwein und sogar Rum mit Absinth an, sowie eine kleine Absinthdegustation im Rahmen der Veranstaltung. Absinthwein und Absinthrum waren übrigens nie verboten da sie mazeriert und nicht destilliert wurden, sie werden hier seit dem 1. Absinthfest verkauft. Die ersten Absinthfeste mussten leider ohne Absinth auskommen, doch seit 2002 wird der Absinth der Destillerie Kübler hier serviert. Wenn man ein bisschen herumfragt, kann man aber immer noch richtigen Schweizer Absinth von einigen „Privatbrennereien“ bekommen.

Für den Interessierten werden auch getrockneter Wermut aus Boveresse und kleine Wermutsämlinge verkauft. Außerdem stellt das Museum von Môtiers einige alte Gebrauchsgegenstände auf einem Stand aus, wo man sich über die Produktion von Absinth und anderen regionalen Produkten informieren kann.

Boveresse

Boveresse ist eine der 11 Kommunen des Distrikts Val-de-Travers im Schweizer Kanton Neuchâtel. Es ist an der linken Flussseite der Areuse gelegen und ist ein Durchfahrtsort der internationalen Autobahnroute J 10 (Neuchâtel – Franche-Comté – Bourgogne) die auch „Pénétrante“ genannt wird, sowie der Eisenbahnlinie Franco-Suisse (CFF und TGV). Mit einer Fläche von 1.293ha liegt es im Val-de-Travers auf 730m Seehöhe und hat heute 381 Einwohner. 

Die erste Erwähnung von Boveresse findet sich in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1266 an das Kloster Saint-Jean de Cerlier, und zwar unter dem Namen Boveressa. Es wird angenommen, dass sich der Name vom französischen Wort „Boeuf“ für Rind ableitet, da auch die Viehhaltung hier von großer Bedeutung war.

In Boveresse werden die Einwohner auch Grenouillards genannt. Das hat zwei Bedeutungen: bevor Brücken gebaut wurden überquerten die Einwohner von Boveresse die Areuse, indem sie von Stein zu Stein hüpften – wie die Frösche. Die andere Bedeutung geht auf die Leidenschaft de Einwohner zurück, Frösche zu fangen, um sie nachher als kulinarische Spezialität – Cuisses des Grenouilles – zu verspeisen.

Trotz seiner begrenzten Bevölkerungszahl und deren hauptsächlich kunsthandwerklichen oder landwirtschaftlichen Berufen ist es perfekt ins Val-de-Travers integriert und bildet seit dem 14. Jahrhundert eine Kooperation mit sechs anderen Kommunen (Couvet, Môtiers, Fleuriers, Buttes und Saint-Sulpice) mit wirtschaftlichem und ökonomischem Ziel.

Neben Kunsthandwerk und Landwirtschaft hat Boveresse aber auch touristische Vorteile: das Schwimmbad von Combes, die Vy-aux-Moines, das Petitpierre Haus aus dem 18. Jahrhundert, auch bekannt als Katzenhaus wegen den Katzen als Dekoration der Hausfront, der natürliche Kühlraum von Sagnettes (Monlési), drei alte Wermut-Trockenräume von Wermut, alte Kalkabbaustätten der Mönche und natürlich die Landschaft rund um die Areuse.

Obwohl sich die Absinthproduktion zum größten Teil in anderen Orten wie Travers, Môtiers, Fleurier oder Les Verrières abspielte, wurde der Rohstoff Wermut fast ausschließlich in Boveresse angepflanzt und geerntet, sowie andere aromatische Hauptinhaltsstoffe des Absinths auch. Boveresse hat in der Schweiz und über die Grenzen hinaus einen äußerst guten Ruf für seine aromatischen Kräuter wie Wermut, Ysop, Melisse und Minze.

Mitte Juli, kurz nachdem der Wermut zum Blühen angefangen hat, wird er in Boveresse gesammelt und gleich ein Monat lang in gut belüfteten Räumen getrocknet, um das Aroma zu bewahren. Zu diesem Zweck wurden spezielle Trockenräume gebaut, meist Hangar aus Holz.

Ein solcher Hangar ist der 1800m² große Trockenraum am Place des Cises aus dem Jahre 1893. Östlich des Stadtzentrums gelegen, gehört er heute dem Museum und zählt seit 2002 zu den historischen Monumenten.

Nach dem Trocknen werden die Kräuter gehackt, pulverisiert und verpackt und an die Destillerien im Val-de-Travers und Pontarlier und an schweizerische und ausländische pharmazeutische Einrichtungen und Unternehmen verschickt.

 

 

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