|
3.3.
Das 18. Jahrhundert
3.3.1.
Erstmaliges Erscheinen
1769 taucht der Name Absinth als
Bezeichnung für ein Produkt, wie es heute bekannt ist erstmals in
Form einer Zeitungsannonce in Couvet im Schweizer Kanton Neuchâtel
auf. Es handelte sich hierbei um ein Elixier namens „Bon Extrait
d’Absinthe“, ein belebendes und gesundheitsförderndes Allheilmittel,
welches die Schwestern Henriod aus Alkohol, Wermut, Anis,
Zitronenmelisse und einigen geheimen Zutaten gegen Magen- und
Frauenleiden, Bronchitis, Fieber und vieles mehr gebraut hatten. Die
Originalrezeptur hatte eigentlich eine medizinische, krampflösende
Wirkung und wurde aus mehreren Kräutern hergestellt, die Medizin „Extrait
d’Absinth“ enthielt aber kein Anis, erst in Frankreich fügte man
Anis hinzu um den Wermutgeschmack zu überdecken. Man bemerkte früh
die stimulierende Wirkung auf das Gemüt, die mit anderen Alkoholika
oder vergleichbaren medizinischen Substanzen nicht zustande gebracht
wurden, doch zunächst wurde dieses Gebräu nur auf Jahrmärkten an
einzelne verkauft.
Doch ob die oben erwähnten Schwestern
Henriod als Erfinderinnen anzusehen sind, ist umstritten. Eine
weitere im Val-de-Travers ansässige Frau, nämlich Henriette Henriod,
auch „Mère Henriod“ genannt kommt dafür ebenso in Frage wie ein
Kloster im Val-de-Travers.
In der einschlägigen Literatur gilt
allerdings der Schweizer Arzt Dr. Ordinaire als Vater des Absinths.
Ordinaire war vor den Auswirkungen der französischen Revolution 1768
in die Schweiz geflohen und hatte sich in Couvet, einem kleinen Ort
am Rande der Region Val-de-Travers, als Landarzt niedergelassen. Als
Arzt beschäftigte er sich mit den Wildpflanzen der neuen Heimat und
er experimentierte mit Wermut, Alkohol und anderen wildwachsenden
Kräutern wie Kalmus, Melisse, Anis und Koriander. Er brachte seinen
Absinthschnaps 1792 auf den Markt, anscheinend erfolgreicher als die
Schwestern Henriod, doch auch bei ihm blieb ein langanhaltender
Erfolg aus. Wieder anderen Quellen ist zu entnehmen, dass Dr.
Ordinaire lediglich eine rege Verbreitungstätigkeit übernahm, indem
er die von den Schwestern Henriod hergestellten Mittel, im Zuge
seiner Arzttätigkeit verbreitete.
Der erste Absinth wurde aber dennoch
nach den Rezepturen der Schwestern Henriod hergestellt und enthielt
keinen Anis, und es war auch jene Absinthrezeptur, die später einen
solchen Berühmtheitsgrad erreichen konnte.
3.3.2.
Pernod & Fils
Der damalige Spitzen- und Käsehändler
Major Henry Dubied kaufte 1797 den Schwestern Henriod das
Geheimrezept ab und errichtete im selben Jahr mit seinem Sohn
Marcellin und seinem Schwiegersohn Henri-Louis Pernod die erste
Absinthdestillerie in der Schweiz. Ein kleiner Raum, der als
Waschküche diente, wurde die erste Absinthbrennerei der Geschichte,
wo anfangs bescheidene 16 Liter pro Tag produziert wurden. Das
Getränk, welches nun hauptsächlich von Henri Louis Pernod als zum
ersten Mal in industrieller Produktion hergestellt wurde, verkaufte
sich anfangs sehr schlecht und war unter dem Namen „Pernod Fils“
bekannt.
|