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2.2.   Absinthherstellung

Die Herstellung von Absinth erfolgt entweder durch Mazeration, also dem Einlegen von Pflanzenteilen und Kräutern in hochprozentigem Alkohol, durch Destillation oder durch Beimischung von Kräuteressenzen zu Alkohol, dies ist aber ein eher minderwertiges Verfahren. Bei allen Verfahren erhält man ein wasserklares Produkt, den „Absinthe blanche“. Durch eine Coloration desselbigen, welche auf herkömmliche Weise dadurch entsteht, dass man chlorophyllhaltige Pflanzen, üblicherweise Wermut, Ysop und Melisse, in den Absinth einlegt, erhält man ein grünliches Produkt, den „Absinthe verte“. Die Coloration des Absinths war eigentlich eine Modeerscheinung, änderte aber den Charakter des Grundproduktes nicht. Natürlich wurden für die Coloration auch chemische Substanzen verwendet, was bei Herstellern in einigen Ländern zu rotem, giftgrünen oder blauen Absinth führte. Für die Herstellung von Absinth benötigt man vor allem Alkohol, Wasser, Zucker und verschiedene Pflanzenmaterialen, allen voran Wermut; die Gemeinsamkeit der verwendeten Pflanzen ist jene, dass sie alle Heilkräuter sind.

2.2.1.      Benötigte Stoffe

Wasser

Die Wahl des Wassers ist für die Absinthherstellung besonders wichtig, da die im Wasser enthaltenen Kalk- und Magnesiumsalze durch den Alkohol ausgefällt werden. Hartes, also stark kalkhältiges Wasser verursacht nämlich häufig unerwünschte Trübungen, sodass Absinthhersteller meistens destilliertes Wasser oder Quellwasser bevorzugen.

Alkohol

Die Qualität des zugesetzten Alkohols ist ein entscheidender Faktor, je hochprozentiger der Alkohol, desto reiner und besser schmeckt der Absinth. Unreiner Alkohol enthält oft Beimengungen, die Rückschlüsse auf die Ausgangsstoffe, wie Rüben oder Kartoffeln zulassen, durch mehrfaches Wiederholen des Destillationsvorgangs erhält man aber heute einen sehr reinen und hochprozentigen Alkohol.

Ätherische Öle

Ätherische Öle sind wasserunlösliche Pflanzeninhaltsstoffe. Im 19. Jahrhundert waren ätherische Öle keine reinen Öle, sondern eine Lösung des betreffenden Öls in Wasser, welches durch Versetzen mit Weingeist zu Likör wurde. Reine ätherische Öle erhält man indem, man das Pflanzenmaterial mit Wasser und Alkohol ansetzt, es eine Weile stehen lässt und dann mehrmals erhitzt, also durch mehrfache Destillation. Bei der Destillation geht aber nur ein Teil der ätherischen Öle in den heißen Wasserdampf über, welcher sich dann an den Röhren des Destillationsapparates verdichtet und wieder flüssig wird. Schließlich muss man die Ölschicht vom aromatisierten Wasser trennen.

Besonders reine Öle erhält man durch die Mazeration, indem man reines Fett erhitzt und ein Säckchen mit fein geschnittenem Pflanzenmaterial hineinhängt, bis sich das ätherische Öl nach einigen Stunden aus den Pflanzenzellen gelöst hat und in das Fett übergeht. Der Vorgang muss bis zu zwanzig Mal mit immer neuen Säckchen wiederholt werden, danach wird das Fett in eine Flasche mit 90prozentigem Alkohol gefüllt und mehrere Wochen verschlossen stehen gelassen, bis sich das ätherische Öl in Alkohol gelöst hat. Man kann ätherische Öle auch durch die Extraktion mit Hilfe von Schwefeläther, Schwefelkohlenstoff oder Petroleumäther gewinnen.

Für die Herstellung von Absinth benötigt man vor allem Öle aus Anis, Fenchel, Kalmuswurzel, Kardamom, Koriander, Melisse, Pfefferminze, Sternanis, Ysop und Wermutöl. Da der bittere Anteil des Wermuts bei der Destillation nicht ins Öl übergeht, bevorzugt man daher eine Wermuttinktur oder eine Mischung von ätherischem Öl und Essenzen.

Tinkturen

Eine Tinktur ist eine Mischung aus Ölen mit Alkohol, wobei sie im Gegensatz zur Essenz ein Auszug aus nur einer Pflanze ist. Für die Herstellung, welche entweder durch Mazeration oder Digestion verläuft, benötigt man hochprozentigen Alkohol, um die Öle lösen zu können. Bei der Mazeration wird das Pflanzenmaterial über eine gewisse Zeitspanne, die vom Zerkleinerungsgrad und der Umgebungstemperatur abhängig ist, in Alkohol eingelegt. Bei der Digestion, eine Form der Mazeration unter höheren Temperaturen, übergießt man ein Kilogramm Pflanzenmaterial mit zehn Kilogramm hochprozentigem Alkohol und lässt es einige Tage stehen. Die einfachste Art eine Tinktur herzustellen, ist die Versetzung von ätherischen Ölen mit Alkohol, diese Methode findet aber in der Praxis nur bei Anisöl Gebrauch. Sobald diese Tinkturen mit Wasser verdünnt werden, fällt das Öl teilweise wieder aus und die Flüssigkeit trübt sich. Absinth ist im pharmazeutischen Sinn eine solche Tinktur, da sich die ätherischen Öle unter Zumischung von Wasser wieder abscheiden, und der Absinth milchig-trüb wird.

Essenzen

Essenzen sind ebenfalls Mischungen aus Ölen mit Alkohol, sie basieren aber im Gegensatz zu Tinkturen auf mehreren aromatischen Stoffen. Man erhält Absinthessenzen, indem man verschieden Öle in kleineren Mengen sehr hochprozentigen Alkohol löst, und den restlichen Alkohol unter Rühren langsam dazu gibt. Doppelabsinthessenzen werden durch Verwendung einer größeren Menge von ätherischen Ölen hergestellt, damit der Absinth, wenn er später mit Wasser vermischt wird, die typische milchige Trübung erhält. Essenzen können auch durch Extraktion von in Alkohol eingelegtem Pflanzenmaterial hergestellt werden, das Endprodukt müsste dann aber noch gereinigt werden. Das Endprodukt ist dann gefärbt, ohne dass einzelne Partikel noch erkennbar sind. Gelegentlich stellte man Essenzen auch durch Destillation her.

 

 

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