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2.5.   Absinth in verschiedenen Ländern

Absinth-Rezepturen gibt es unterschiedlichster Art: Ob mit einer Beimischung von Anis, Fenchel, Melisse, Ysop oder Koriander, der Geschmack bleibt unnachahmlich, ändert sich aber von Land zu Land. Und sowie auch jedes Land eine oder mehrere verschiedene Rezepturen, Herstellungsarten und gesetzliche Bestimmungen die Thujonwerte betreffend hat, so gibt es auch in jedem Land ein anderes Ritual, um den Absinth genussvoll zu trinken. Französischer Absinth enthält sehr viel Anis, denn die Franzosen lieben das feine Aroma. In der Schweiz, Österreich und Deutschland ist Anis weniger beliebt, es überwiegen Absinthes ohne Anis. Abgesehen davon, ob mit oder ohne Anis, soll ein guter Absinth mild und aromatisch schmecken, denn Alkohol ist ein hervorragender Geschmacksträger, ein guter Absinth sollte des Weiteren nicht nach „Sprit“ schmecken.

2.5.1.      Schweiz

Hier begann das Absinthzeitalter 1769 mit einem Heiltrunk der Schwestern Henriod und endete 140 Jahre später mit dem fünffachen Mord Jean Lanfrays an seiner Familie. Diese Tragödie bestärkte die Absinthgegner in ihren Argumenten die schädliche Wirkung des Absinths betreffend, sodass 1910 ein Verbot erfolgte. In der Schweiz, dem ursprünglichem Herkunftsland von Absinth, wurden über all die ganzen Jahre des Absinthverbotes jährlich an die 15.000l schwarz gebrannt. Dadurch, dass die Absinthproduktion in der Schweiz eine 200 Jahre alte Tradition hat, kommen qualitativ sehr hochwertige Absinthes vor allem aus dem Schweizer Jura. Absinth wurde Anfang 2003 gänzlich legalisiert und derzeit strebt man im Schweizer Val-de-Travers und in der Region rund um Pontarlier in Frankreich an, Absinthes mit der geschützten Herkunftsbezeichnung eines AOC [1] zu schützen.

2.5.2.      Frankreich

In Frankreich, wo der Siegeszug des Absinths begann und in der Hochzeit jährlich an die 339.000hl hergestellt wurden, ist besonders die Zugabe von Anis sehr beliebt. Pernod, der erste und berühmteste Absinthhersteller, ließ nach dem Absinthverbot den Wermut aus dem beliebten Getränk einfach weg und verkaufte dann den berühmten Pernod Anisschnaps. Heute stellt Pernod wieder Absinth unter dem Namen Pernod Extrait d’Absinthe her. In Frankreich trafen sich Bohemiens, Künstler und Intellektuelle, aber auch Absintheure aus allen Gesellschaftsschichten zur Heure Verte in den Cafés, um sich vom Absinth berauschen und inspirieren zu lassen. Aus Frankreich stammen die wildesten Legenden und Geschichten rund um Absinth, kurz gesagt war Frankreich um 1900 das wichtigste Absinthland und wird manchmal mit dem Namen Absinth sogar öfter und stärker in Verbindung gebracht als die Schweiz. Da sich Absinth sehr großer Beliebtheit erfreute, hielt er bald nicht nur Einzug in die französischen Lokale sondern auch in den alltäglichen Sprachgebrauch. Hierauf wird im Kapitel „Von der Kunst des Absinthtrinkens“ noch näher eingegangen. Aber auch in Frankreich wurde der Absinth, nicht zuletzt wegen der bedrohlichen Konkurrenz des Absinths für alle an der Weinproduktion Beteiligten, 1915 verboten.

2.5.3.      Österreich

Österreich war am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in der Absinthproduktion sowie in den Sparten Import, Export, Verkauf und Verbrauch nie von großer Bedeutung, da die Österreicher eher Obstler und Bier bevorzugten. Das Absinthverbot traf Österreich zeitgleich mit Deutschland, nämlich 1923. Ein Absinthrezept aus dem Jahre 1881, welches im Keller des Alt-Wiener Schnapsmuseums gefunden wurde, belegt jedoch, dass Absinth in Österreich genauso hergestellt wurde, wenn auch eher im Zuge eines kleinen Familienbetriebes. Die Familie Fischer, die seit 1875 Schnäpse und Liköre produziert, stellt auch heute wieder Absinth in den alten Dampfdestillen her.

2.5.4.      Deutschland und Italien

Deutschland und Italien hatten nie einen überragenden Anteil an der Absinthproduktion, da die Deutschen ihre Schnäpse und die Italiener ihre Vermouthweine hatten. Dennoch wurde in Italien 1913 und in Deutschland 1923 ein Gesetz erlassen, welches die Herstellung, Lagerung und den Verkauf von Absinth verbot, der Vertrieb von Vermouth und damit von Martini, war aber überall weiterhin zulässig da Vermouths, wie im gleichnamigen Kapitel näher beschrieben, sehr wenig bis gar keinen Anteil an Thujon haben. In Deutschland wurde jedoch dieses Gesetz als erstes wieder aufgehoben, besser gesagt in der ehemaligen BRD im Jahre 1981. Heute gibt es in Deutschland an die vierzig namhafte Absinthhersteller, von denen einige auch noch alte Familienrezepte verwenden.

2.5.5.      Tschechien

Die ehemalige Tschechoslowakische Republik konnte wohl das Absinthverbot am längsten hinauszögern, hier wurde das Gesetz erst 1930 erlassen und 1998 zeitgleich mit den Mitgliedsländern der Europäischen Union wieder aufgehoben. Auch in Tschechien wurde während des Verbotes viel Absinth schwarz gebrannt. Tschechischem Absinth wurde auf Grund nationaler Geschmacksvorlieben weniger bis gar kein Anis beigefügt, wie beispielsweise dem Absinth in Frankreich oder auch der Schweiz. Dies führt dazu, dass die Verfärbung zum milchig trüb ausbleibt oder aber nur bei sehr kaltem Wasser eintritt.

2.5.6.      Spanien und Portugal

In Spanien, dem einzigen Land in dem Absinth je eine größere Bedeutung hatte und ein Absinthverbot nie durchgesetzt wurde, kannte man schon sehr lange Anisspirituosen und auch Absinth wurde sehr schnell berühmt. Das Barrio Chino, das Chinesenviertel im Hafen von Barcelona in dem viele Flüchtlinge der französischen Revolution 1789 und 1848 aus Frankreich untergeschlüpft waren, war damals das Zentrum der spanischen Absinthszene. Auch in Portugal wurde Absinth nie verboten, da man der damaligen allgemeinen Absinthhysterie keine allzu große Bedeutung zumaß. Es gibt demnach in Spanien wie auch in Portugal eine Reihe verschiedener Absinthes aus traditioneller Produktion, die auch heute noch hergestellt werden.

2.5.7.      Vereinigte Staaten

Auch in den USA wurde der Absinth schnell beliebt. Er wurde jedoch 1912 noch vor der amerikanischen Prohibition verboten. Da im Osten der USA die Wermutpflanze in großen Mengen wuchs, wurde das Land neben der Schweiz  bald zum größten Exporteur von Wermutöl, welches für die kalte Herstellung des Absinths benötigt wurde. Die Hauptstadt der ehemaligen französischen Kolonie Louisiana New Orleans, das auch als das kleine Paris Nordamerikas bezeichnet wird, verfügte 1906 über 2000 Lokale woraufhin die Stadt den Beinamen Liquor Capital erhielt. Unter den Lokalen befand sich auch das Old Absinthe House in der Bourbon Street, welches einen legendären Ruf genoss und wo schon 1826 Absinth ausgeschenkt wurde.


[1] Appellationd d’Origine Controllée

 

 

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